25 May 2012
Kunstfreiheit

Zumas Speer entblößt

(Kategorie: Textbeiträge)

Wenn man eines nicht über die südafrikanische Politik und Gesellschaft sagen kann, dann dass sie langweilig wären. Aktuell streitet man wieder heftig. Das corpus delicti: der Penis des Präsidenten.

In Leninpose ist Jacob Zuma auf einem Bild zu sehen, das während einer Ausstellung in Johannesburg gezeigt wurde. Soweit nichts Dramatisches. Erbittert gestritten wird jedoch über ein kleines Detail auf dem Bild, denn gezeigt wird der Präsident mit entblößtem Glied. Titel des Werks: Der Speer.

Gemalt wurde das Bild von dem Künstler Brett Murray, der eine Collage mit verschiedenen Bildern mit dem Thema Hail the Thief II (Preiset den Dieb) erstellte. Der Tenor der Sammlung wird spätestens mit dem Titel deutlich: Geübt wird Kritik an der Korruption im Lande. Und das sowohl am ANC als auch am Präsidenten, der selbst kein unbeschriebenes Blatt ist.

Knifflig ist das Bild aus zweierlei Gründen: Erstens ist der Schöpfer des Bildes weiß, was ihm auch nur bei der leisesten Kritik an der Regierung fast schon automatisch den Vorwurf des Rassismus sichert und auch dessen Recht in Frage stellt, überhaupt Kritik üben zu dürfen. Zweitens kritisiert er den höchsten Repräsentanten der Nation. Dieses Recht wird zwar oft von den südafrikanischen Medien genutzt, allerdings sehen viele Menschen so was nicht gern; ganz einfach deshalb, weil es sich bei ihm um eine Führungsfigur handelt.

Man musste also davon ausgehen, dass die Veröffentlichung des Bildes hohe Wellen schlagen würde. Jacob Zuma mitsamt Familie ist sauer, die Regierungspartei ANC sowieso und viele Menschen fühlen sich beleidigt, weil es jemand wagte, den höchsten Mann im Staate so darzustellen.

Im günstigsten Falle äußerten Kritiker nur Unmutsbekundungen. Es gab aber auch Aufrufe zum Mord, wie etwa jener, den strittigen Künstler zu Tode zu steinigen. Denn wenn er noch nicht einmal vor dem Präsidenten Halte mache, werde der Künstler auch andere Personen auf diese Weise abbilden, so die Argumentation einer südafrikanischen Kirche.

Vor einem Gericht soll nun geklärt werden, ob die Goodman Gallery das Bild aushängen darf oder nicht. Auf der Anklagebank sitzt auch die Zeitung City Press, die von dem Bild ein Foto veröffentlicht hatte. Ein Urteil in der Sache wird als richtungsweisend angesehen, weil es um die Abwägung zwischen dem Recht auf Meinungsfreiheit und Zumas Recht auf Schutz seiner Würde geht.

Der richterlichen Entscheidung zuvorgekommen sind mittlerweile zwei Männer, die das Bild mutwillig beschädigten, während gerade über den Fall verhandelt wurde. Sie hatten das Foto mit Farben beschmiert. Als Beweggrund gab einer der beiden an, dass er mit der Aktion einen Krieg zwischen schwarz und weiß verhindern wollte. Pikant an der Sache ist, dass die Männer ungehindert und in aller Ruhe vor einem Fernsehteam das Bild verschandeln konnte, obwohl vorher schon Wachmänner wegen Drohungen zu dessen Schutz abgestellt worden waren. Nachdem die Männer auf Kaution freigelassen wurden, müssen sie sich nun wegen Sachbeschädigung verantworten.

Interessant bei der ganzen Sache ist übrigens, dass wirklich keiner über den Inhalt der Ausstellung diskutiert. Stattdessen hält man sich an der Frage auf, ob Kunst darf, was Murray getan hat, oder nicht. Auch eine schöne Strategie sich nicht mit Kritik in der Sache auseinandersetzen zu müssen.

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2 Antworten zu „Zumas Speer entblößt“

  1. Fussballwitwe sagt dazu:

    Hallo Ali,

    Dein Blog ist ja total ruhig geworden. Wie geht es denn Dir? Gibt es andere Projekte?

    So ein schoen gestalteter Blog, steckt so viel Arbeit drin. Ich beneide Dich nach wie vor um Dein Layout :)

    Viele Gruesse!

  2. Ali sagt dazu:

    Mein Blog ist natürlich noch nicht tot. Ich veröffentliche nachher noch was; und du kriegst dann noch eine Mail.

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