Da stöbere ich gestern auf der Webseite meines Gymnasiums rum und stelle mir daraufhin die Frage, was eigtl. jene Englischlehrerin macht, vor der ich das erste halbe Jahr auf der Schule so furchtbare Angst hatte.
Angst hatte ich, weil sie von uns immer verlangte, auf Englisch zu reden, und ich bis dahin dachte, dass mein Englisch der Mittelschule, äh, gut sei. Da hatte ich mich wohl geirrt. Es war eher mittelmäßig, wurde dann aber deutlich besser, weshalb ich später keinen Schiss mehr hatte — im Gegensatz zu Nicole, die immer wie ein Opossum in Schockstarre fiel.
Begeistert war ich später wohl auch, weil sie die erste und auch einzige schwarze Lehrerin war, die ich je hatte. Selbst später an der Universität dauerte es noch gut acht Jahre, bis ich wieder einen schwarzen Dozenten hatte. Das mag zwar komisch klingen, aber wenn man nicht mehr der einzige Schwarze unter einem Haufen Weißer ist, dann wirkt das schon entlastend.
Grundsätzlich spielt Hautfarbe eine Rolle. Nicht weil ich es so will, sondern weil mich die anderen als fremd klassifizieren. In der weißen Mehrheitsgesellschaft gilt man als Nichtweißer immer als Exot, den man notlos anstarren und aufgrund seiner Hautfarbe zu seinem Stammbaum ausfragen kann. Kritisiert man so etwas, muss man sich rechtfertigen, ob man nicht zu empfindlich sei. Als ich einmal in einer Diskussion für sie Partei ergriff, wurde ich vorwurfsvoll gefragt, ob ich ihr Sohn sei, wenn ich mich für sie einsetzte. Klar, wir Schwarzen sind alle miteinander verwandt. Kann ja gar nicht anders sein.
Und wer läuft mir heute über den Weg? Eben jene Lehrerin, die ich seit mindestens acht Jahren nicht mehr gesehen habe — und das just, als ich gerade unter höchstem Stress schnell noch was einkaufen wollte, damit ich die Bahn noch kriege, um nicht zu spät in der Knochenmühle anzukommen. Ärgerlich.
Aber wenigstens hat mir die Begegnung ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert.
(Ich verkneif mir aber lieber mal, an Leute zu denken, die ich nie leiden konnte, sonst laufen die mir auch noch über den Weg.)



18. Februar 2011, 07:09 Uhr
Ali, Du wohnst doch in Leipzig? Da muss es manchmal ganz schoen schwer fuer Dich mit Deiner Hautfarbe sein, denke ich. Ich hatte und habe mein ganzes Leben das Problem in Dresden (bis heute!), dass ich mit meiner Mutter in der Oeffentlichkeit mir verkneifen muss, Russisch zu reden; aber wenigstens falle ich nicht durch meine Hautfarbe auf. Ich weiss nicht, ob Deutschland jemals ueber seinen versteckten Rassismus hinauskommt.
Ich war total baff, als ich 2003 nach England zog, und dort vielleicht 20-30% der Fuehrungspositionen in Firmen mit Auslaendern besetzt fand. Voellig unvorstellbar fuer Deutschland.
18. Februar 2011, 13:24 Uhr
Wie war das — von 82 Mio Deutschen haben über 16 Millionen einen Migrationshintergrund.
Damit sind nicht nur Einwanderer gemeint, sondern auch Familien die in ihrer Geschichte aus irgendwelchen Gründen das Land verließen oder wieder einwanderten.
Ich persönlich habe häufig die Erfahrung gemacht, dass man heute rein visuell urteilt. Passt du optisch in das Schema, hält dich keiner für einen Ausländer. Unterhälst du dich am Telefon dann auf deiner Muttersprache, sind alle sehr überrascht und ihnen fällt zum ersten Mal auf, dass man einen nichtdeutschen Namen trägt.
Kommt es irgendwann zu einer Diskussion über Ausländer, heisst es “bei dir ist das ja was anderes”
aaahja. Wenn sie schon alles in eine Schublade stecken, verschonen sie dich?
Passt man optisch aber nicht ins Schema, aber ist vom Verhalten “urdeutsch” sieht die Situation wieder anders aus. Das konnte ich häufig bei Leuten beobachten, die in Deutschland geboren sind, aber ihre Wurzeln in Afrika oder Asien haben (und deren Kultur in Deutschland nicht leben).
Ich halte es übrigens nicht nur für ein deutsches Problem. In anderen europäischen Ländern (v.a. Frankreich) sieht es genauso aus. Nur haben die Deutschen aufgrund der Geschichte nicht mehr den Mumm — oder die Freiheit gegen Ausländer laut zu werden. Sie denken sich ihren Teil und lassen die Themen bei ihren Stammtisch-Diskussionen heiß laufen…..
18. Februar 2011, 13:39 Uhr
Übrigens ist es immer ein komisches Gefühl, “allein” in einer Gruppe zu sein.
Als einziger Weißer unter Schwarzen, als einzige Frau unter Männern, als einzige weiße Frau unter schwarzen Männern, als einziger junger Mensch unter Rentnern, als einziger Erwachsener unter Kindern.
Als einziger Deutscher unter Engländern
Als Franzose unter Engländern
Egal was wie wo, es ist immer entlastend wenn man Leidengenossen aus den eigenen Reihen hat
18. Februar 2011, 15:28 Uhr
Soccerwidow, «die Russen kommen!»
Also von den Dresdnern hätte ich doch ein wenig mehr Offenheit erwartet als von den Leipzigern. Wenn hier doch mal über «die Russen» geredet wird, dann konzentrieren sich die Älteren eher auf die DDR-Zeit, wo das schändliche Verhalten der politischen Elite von «den Russen» aufgezwungen wurde, weshalb sie ja nichts dafür konnten. Die Jüngeren labern eher darüber, wie sich «diese Deutschrussen» so benehmen, selbstverständlich alles nur vom Hörensagen. Wie reagieren die Dresdner auf euch, wenn ihr Russisch redet?
Momentan habe ich mich wieder einigermaßen daran gewöhnt, hier im Osten als Schwarzer aufzufallen. Kann aber auch daran liegen, dass ich jetzt wochenlang kaum Kontakt zu Menschen hatte, weil ich an meiner Abschlussarbeit gearbeitet hatte. Wahnsinnig macht mich zurzeit hauptsächlich diese Gafferei, als wären wir hier im Zoo, ich auf der falschen Seite des Zaunes. Schon jetzt weiß ich, dass ich den Osten (Ausnahme ist selbstredend Berlin) auf jeden Fall verlassen werde. Nicht nur wird es schwierig, einen Job aufgrund meiner Qualifikationen zu finden, sondern eben überhaupt einen Job zu finden, weil hier Hautfarbe ein übles Ausschlusskriterium ist.
Als positives Gegenbeispiel nenne ich gern das Provinzstädtchen Passau, deren Einwohnern man gern Hinterwäldlertum nachsagt. Drei Jahre habe ich dort gelebt, aber es gab nur zwei negative Beispiele, die eindeutig auf meine Hautfarbe zurückzuführen waren. Das war’s. Sofern ich nicht sowieso einen Job im Ausland finde, hoffe ich, dass ich in einer Stadt im Westen unterkomme, wo man den Anblick von Menschen meiner Couleur gewöhnt ist.
18. Februar 2011, 16:24 Uhr
War denn die Diskussion um Ausländer in der deutschen Gesellschaft jemals eine andere als eine am Stammtisch geführte? Kritik an mangelndem Integrationswillen von Ausländern wird schon aufgenommen, die sollte dann doch aber bitte zivilisiert geäußert werden. Mir ist bisher noch kein Diskutant untergekommen, der berechtigte Kritik nicht immer auch mit Rassismen verknüpft oder extrem verallgemeinernd argumentiert hätte. Ganz nebenbei möchte ich darauf hinweisen, dass ich hier meine Gefühle als schwarzer Deutscher niederschreibe.
(Was nicht heißt, dass ich schwul sei — falls das gleich wieder jemand denkt.)
Ein paar deiner Beispiele finde ich übrigens arg unpassend. Wann kommt es denn bitte vor, dass eine Frau die ganze Zeit nur unter Männern lebt? Wann lebt ein junger Mensch nur unter Rentnern? Das musst du mir hier aber mal zeigen. Immerhin habe ich nunmehr fast 28 Jahre (!) nur unter Weißen verbracht. (Das erlaubt mir natürlich, eine Menge Witze über Sonnenbrände nach fünf Minuten Sonnenkontakt oder über käseweiße Beine zu machen. Da gibt es ein Foto von dir. Ei, ei, ei…
)
18. Februar 2011, 21:47 Uhr
Ich glaube nicht, dass Cécile den Osten von Deutschland kennt, damit meine ich die Region um Leipzig und Dresden, sonst haette sie wahrscheinlich ein etwas anderes Kommentar abgegeben. Es ist traurig, dass da nicht nur Hautfarbe ein übles Ausschlusskriterium ist.
Als Frau finde ich ueberhaupt nicht, dass es ein “komisches Gefuehl” ist, allein unter Maennern zu sein. Ich habe mein Abi auf einer Spezialschule fuer Mathe gemacht und da war ich so ziemlich das einzige Maedchen im gesamten Jahrgang unter 60 Jungs. Das war weder “komisch” noch rassistisch, einfach bedingt durch Interesse und Begabung, welche Jungen in Mathe/Physik und Informatik einfach oefter haben.
Aber was ich schlimm finde, dass ich mich heute, im 21. Jahrhundert, im beruflichen Leben, oft als einzige Frau in einer Gruppe von Entscheidungstraegern wiederfinde, vor allem, wenn ich mit deutschen Unternehmen zu tun habe. Das hat nichts mit dem natuerlichen Unterschied von Interessen von Jungen und Maedchen zu tun.
Aufgewachsen als Auslaenderin in Deutschland, jedoch mit einem nicht deutschen Geburtsort im Lebenslauf und Ausweis, und zudem noch als Frau muss ich um ein Mehrfaches besser sein als andere, um mich beruflich in Deutschland durchzusetzen.
Die gluecklichsten 5 Jahre meines Lebens waren als “Deutsche unter Engländern” und jetzt 2 Jahre als “Europaerin in Uganda”.
18. Februar 2011, 22:38 Uhr
Naja, es ist meine Erfahrung, und ja, ich bin ein Wessi
den Osten besuche ich nur als Tourist
Glaub aber nicht, dass der Westen da generell fortschrittlicher ist. Auch hier gibt es Orte, in denen man sich als Deutscher sehr fremd fühlt.
Und ich bin übrigens in Deutschland geboren, allerdings hatte ich das Glück in zwei Kulturen aufzuwachsen.
Ich habe übrigens nicht gesagt, dass ein Einzelner in einer Grupper zwangsweise unglücklich ist.
What ever.
Hey, ich habe eine sehr sonnenverträgliche Haut. Ich kriege selten Sonnenbrand, und wenn dann auch nur, weil ich es übertrieben habe
18. Februar 2011, 23:30 Uhr
Hahaha ja! wir waren in einem Blumen-Haus mit rosa Küche mitten in der Wüste
)
(<-
)
Für ein Blondchen kann ich ganz gut karamellisieren. Aber Schokofarben kann ich natürlich auch nicht annehmen
Ja, Leipzig würde ich schonmal gerne sehen. Bisher habe ich nur Berlin, Dresden, ein bisschen Thüringen, ein bisschen Spreewald und ein bisschen Ostsee gesehn. War eigentlich immer ganz nett
Solltest du dich mal in den Süden verirren, darfst du natürlich gerne Bescheid sagen
18. Februar 2011, 22:58 Uhr
Aber nicht zanken, ja?
Und du, Cécile, nutz den coolen Smiley (
) nicht all zu exzessiv!
Ich dachte, du wärst Deutsche, Soccerwidow. Hab ich jetzt jedenfalls einer Kommilitonin so erzählt, die auch gerade in Kampala ist und in ihrem Blog irgendwie verloren in dem Land wirkt.
Vielleicht meldet die sich noch bei dir. Der Blog ist leider nur für geladene Gäste.
Sonnenverträglichkeit gut und schön. Aber wirst du auch schön braun, Cécile? Ich muss gerade an das Foto denken, wo du behauptest, dass ihr rosafarbenes Licht hattet.
Wenn du mal in und um Leipzig bist, könnte ich mich als Fremdenführer anbieten.
Ach ja, Soccerwidow, die Teppichetagen könnten dich noch interessieren.
19. Februar 2011, 02:37 Uhr
Berlin ist aber so ein Ausnahmefall, bei dem man eigtl. nicht vom Osten spricht. ^^ Leipzig ist im Sommer recht erträglich. Da kann man sogar hier und da mal einen Ossi lächeln sehen (ohne Scheiß!). Und auf dem Völkerschlachtdenkmal war ich bis heute nicht. Und wir haben zur Zeit ein schielendes Opossum im Zoo, auf das — warum auch immer — alle abfahren. Hier gibt es viel zu entdecken. ^^
Wo im Süden lümmelst du denn rum? Ich hab geplant, im Sommer mal wieder nach Passau bzw. danach zu meinem Bruder in ein Kaff nahe Augsburg zu fahren.
20. Februar 2011, 00:19 Uhr
Haha, in Berlin hatte ich durchaus einen ostdeutschen Kulturschock
Ich komme aus der Stuttgarter Region. Hier gibt es nicht viel außer schnellen Autos, Wein und umstrittenen Bahnhofs-Projekten. Aber wenn man Kunst & Kultur mag, ist man in dieser Stadt richtig. Außerdem ist der Schwarzwald direkt vor der Haustüre, also kommen Naturfreunde durchaus auf ihre Kosten..
20. Februar 2011, 00:39 Uhr
In Stuagart war ich noch nie! Und schnelle Autos mag ich auch. Da bin ich dann doch typisch Mann.
Und vorm Bahnhof könnten wir ja Wutbürger spielen. Eine Freundin von mir, die auch im/am Schwarzwald wohnt, hat erzählt, dass es da auch Bogenschützen gibt. *lol*
23. Februar 2011, 17:12 Uhr
Danke fuer die Teppichetagen… Kommst Du meinen Blog manchmal besuchen? Habe lange nicht mehr von Dir gehoert… Ist wahrscheinlich aber eher wohl einfach nicht Dein Thema…. oooh oooh Fussball… Aber auch nicht gerade mein Lieblingssport, ehrlich gesagt; Mathe und Statistik machen aber total Spass und scheinen da ja auch ganz gut zu funktionieren.
Ich muss wohl mal wieder was ueber Uganda schreiben…
Vernachlaessige meinen Blog da schon wieder.
23. Februar 2011, 17:29 Uhr
Ach so, richte ruhig Deiner Freundin aus, dass sie sich bei mir melden kann… mach’ ich echt gerne! Hast Du ihr meine Email gegeben?
Hoffe, Du bist nicht zu enttaeuscht, dass ich keine Deutsche bin…
23. Februar 2011, 17:38 Uhr
Natürlich gucke ich immer bei deinem Blog vorbei. Das aber eigtl. nur, um zu sehen, ob du überhaupt noch schreibst. Und dann frage ich mich, warum du deine treuen EZ- und Uganda-Leser immer vernachlässigst!
Wie ich gelesen habe, waren bei euch gerade Wahlen und es gab — Wen hätte es gewundert? — Wahlfälschung und kleinere Tumulte. Ist doch diiiiiiie Gelegenheit, mal wieder was über Uganda zu schreiben.
Und nein, enttäuscht bin ich nicht!