27 Nov 2009

ZA dictionary (3)

(Kategorie: Textbeiträge, Videobeiträge)

«SA Department of Home Affairs» — das Haus, das Verrückte macht

Wenn man länger als 90 Tage in Südafrika verweilen will, muss sein Visum spätestens 30 Tage vor Ablauf beim «SA Department of Home Affairs» verlängern. Da mein Visum bis zum 28.12. gilt, muss auch ich mich dem Unvermeidlichen stellen: Ich muss in das Haus, das Verrückte macht.

Die betreffende Abt. befindet sich übrigens auch im 6. Stock. Zufall?

Ganz grundsätzlich lassen sich die Reaktionen der Leute auf meinen Hinweis auf den bevorstehenden Besuch so zusammenfassen: «Oh mein Gott!», «Nimm was zu lesen mit!», «Nimm genügend zu Trinken mit!», «Rechne mit mindestens zwei Arbeitstagen!», «Rechne damit, dass die dich hin und her schicken!», «Rechne damit, dass die keine Ahnung haben!»

Richtige Behörde, falsche Adresse — das Abenteuer beginnt

Das Drama begann damit, dass mich der Fahrer der Stiftung fehlinformierte. Er meinte, ich könne auch nach Randburg fahren, weil das viel näher ist. Näher ist Randburg wirklich. Aber die sind für Fälle wie meinen schon länger nicht mehr zuständig. Ich musste ins Office of Home Affairs im CBD von Johannesburg. CBD ist die Abkürzung für «Central Business District» und ein Ort, wo man nicht hingehen sollte, wenn es nicht unbedingt sein muss. Joburgs CBD liegt gleich neben Hillbrow. Hillbrow dürfte kennen, wer sich Louis Theroux’ Reportage «Johannesburg — Stadt des Verbrechens» angeschaut hat. Keine Angst, so übel, wie dargestellt, ist es nicht. Theroux wurde auch dafür kritisiert, dass er eigentlich nur in Hillbrow und einem Township war.

Die Reportage lief genau einen Tag nach der Praktikumszusage auf Vox.

Weil ich nun also ins CBD musste, hab ich mir fast in die Hosen gemacht. Mein Gott. DA verstecken sich also all die Menschen, die man in Linden (wo ich wohne), Dunkeld (wo ich arbeite) und all den anderen Stadtteilen, in denen ich mich vorrangig aufhalte, nicht zu Gesicht bekommt. Die Straßen sind voll, es ist hektisch und Verkehrsregeln, die in Joburg sowieso anscheinend nur Empfehlungen sind, scheinen hier gleich gar keine Gültigkeit zu haben. Wenigstens bin ich nicht überfallen worden.

Nachdem ich nach langer Suche einen öffentlichen Parkplatz gefunden hatte, ging ich zum Office. Wenn man reinkommt, muss man erst mal durch einen Metalldetektor und Rucksäcke etc. werden auch geröntgt. Ich nehme an, dass es einige Officers von Home Affairs in der Vergangenheit zu bunt getrieben haben. :D

Antragsverfahren im Schlängellauf

Im 6. Stock angekommen, erhielt ich gleich die volle Breitseite südafrikanisch-bürokratischer Freundlichkeit. Mein Gott, die Leute haben echt Spaß an ihrer Arbeit. Wer schon mal beim Leipziger Bafögamt mit einem komplizierteren Fall vorsprechen musste oder Bekanntschaft mit dem Leipziger Arbeitsamt gemacht hat, dürfte wissen, was ich meine. Ich konnte dem Idioten an der Rezeption nur schwer begreiflich machen, dass ich kein Dokument mehr ausfüllen muss, weil ich es ja schon getan habe.

Die Warteschlange ist auch toll. Man zieht keine Nummer, sondern setzt sich bei drei Bankreihen auf die hinterste. Danach rutscht mal schlängelnd nach vorn: erst nach rechts, dann nach links und dann wieder nach rechts. Nach links kommt man aber erst, wenn sich so eine Tante davon überzeugt hat, dass man alles haben könnte. Dann bekommt man auch eine Nummer. Wenn nicht, dann wird man wieder weggeschickt. Man hat dann wohlgemerkt schon ca. eine halbe bis ganze Stunde dumm rumgesessen. Zum Glück war die Tante ganz nett — auch wenn sie mich vorher ignoriert hatte — und informierte mich, dass ich noch meinen Reisepass kopieren müsse (was übrigens nirgends steht). Zum Glück gab es trotzdem schon eine Nummer.

Ich bitte untertänigst um Entgegennahme der Unterlagen

Am Ende des Schlängellaufes gilt es, die letzte Bastion einzureißen: den «Officer of Home Affairs». Wenn der nicht will, geht die Odysee von vorn los. Ich gab ihr meine Unterlagen und was kam von ihr?? «Wo sind Ihre Kopien des Reisepasses?» Dummerweise wurde ich nicht darauf hingewiesen, dass alle Seiten des Reisepasses kopiert werden müssen. Zum Glück hatte die wohl einen guten Tag, denn ich musste nicht noch mal sechs Etagen nach unten, über die Straße an vielen Wegelagerern vorbei und noch mehr Kopien machen, um dann wieder über die Straße an vielen Wegelagerern vorbei sechs Stockwerke nach oben zu latschen und mich hinten anzustellen. Gnädigerweise hat sie die fehlende Kopie gemacht.

Danach wollte sie wissen, wie die Finanzierung gesichert sei. Als ich sie darüber informierte, dass ich ja Studienbeihilfe bekomme, glaubte sie, dass das nur für Deutschland gelte. Ich habe sie darauf hingewiesen, dass ich die auch für Südafrika bekomme. Die wollte mir erst nicht glauben, dass ich problemlos an das Geld komme: «Bekommen Sie an jedem Geldautomaten Geld?» Sie musste sich zwar beraten, aber irgendwann hatte ich meinen Stempel, dass alle Unterlagen vollständig seien und «durfte» dann noch 425 Rand Antragsgebühr bezahlen.

Verwunderlich ist es schon, dass ich ohne größeren Stress davon gekommen bin. Normalerweise muss man mindestens zwei komplette Arbeitstage opfern, um endlich all das vorzuweisen, was die Herrschaften sich so wünschen — und was selbstverständlich nirgends steht. Ich habe — von der Wartezeit vor dem falschen Office mal abgesehen — nur rund fünf Stunden investieren müssen. Das dicke Ende kommt vermutlich noch: Ich werde sicher am 28.12. aus Südafrika ausgewiesen. Am 29.12. kommt mein Besuch. :wtf:

Manchmal geht’s nur mit Nachdruck

Eine Anekdote: Es soll mal ein Ausländer, der um Arbeit in Südafrika bemüht war, ausgerastet und mit einer Waffe zu Home Affairs gegangen sein. Er schrie den Beamten an, dass er nach Monaten endlich das verschissene Dokument haben wolle. Nach zwei Stunden (!!) hatte er es dann. Dummerweise wurde er aber auch erst mal festgenommen.

Ob es stimmt, oder nur eine Urban Legend ist, weiß ich nicht. Es würde aber den Metalldetektor erklären.

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2 Antworten zu „ZA dictionary (3)“

  1. Tobias sagt dazu:

    Plätze rutschen in der Behörte , das errinnert mich irrgenwie an meine Kindheit :-)

  2. Ali (Afrika-Blog) sagt dazu:

    Dir zuliebe vermeide ich jetzt böse Kommentare. ;)

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