11 Aug 2010

You make Joburg great

(Kategorie: Textbeiträge, Videobeiträge)

Als ich ein paar Wochen in Joburg war, startete gerade eine Aktion mit dem Namen «You make Joburg great!» (YMJG) durch. Auf dem Joburg Day, auf dem ich ebenfalls war, und bei vielen anderen Events fanden sich Leute mit Schildern, die da verkündeten: Joburg ist großartig. Wegen euch.

Verantwortlich für die Kampagne ist die südafrikanische Marketingfirma Penquin International, die sich mit Auftrag der Stadt zum Ziel gesetzt hat, die guten Seiten von Joburg hervorzuheben. Eine nette Aktion, die Johannesburg bitternötig hat. Eines der größten Probleme der Stadt dürfte ihr schlechter Ruf sein. Johannesburg wird unweigerlich mit Kriminalität, Armut und grauer Großstadt verknüpft. Typisch Afrika eben. Bei Kapstadt, das nicht minder gefährlich ist, sieht das Bild ganz anders aus. Hier kann man prima Urlaub machen, Wein schlürfen, Surfen usw. Dabei bietet sich gerade der Touristenmagnet Kapstadt prima an, Urlauber um ihre Habe zu erleichtern.

Natürlich entstehen bei uns solche Eindrücke, weil wir Südafrika aus unserer deutschen aufgeräumten Sichtweise betrachten: Bei denen da unten ist das mit der Kriminalität ja ganz normal, bei uns ist es viel sicherer. Jedoch sollte man auf der Suche nach den Ursachen für das schlechte Image Joburgs den Anteil der Einwohner nicht außer Acht lassen. Denn die haben selber ein Problem mit ihrer Stadt.

Noch heute sind die Einflüsse der Apartheid sehr gut zu sehen, was sich insbesondere an dem Umgang mit den Menschen untereinander zeigt. Sie leben größtenteils nach ihrer «Rassenzugehörigkeit» getrennt und reden kaum mit-, sondern mehr übereinander. Die arme schwarze Bevölkerung lebt in Townships an den äußeren Rändern der Stadt, die Wohlhabenden, und das sind zu einem großen Teil die Weißen, verbarrikadieren sich in den guten Gegenden. So sind es denn auch die Südafrikaner selbst, die Ausländer vor der jeweils anderen Seite warnen: Geh bloß nicht dorthin. Da wirst du sofort von den Schwarzen überfallen. Pass bloß auf, dass du nicht von den Weißen übervorteilt wirst. Alle Weißen nehmen dich nicht ernst usw. In einem solchen Klima ist es eher schwierig, eine angenehme Beziehung zu seiner Stadt aufzubauen. Mit YMJG soll sich das nun ändern.

Die YMJG-Kampagne setzt stark auf Social Media, nutzt aber auch andere Medien wie Radio und Zeitungen, um auf sich aufmerksam zu machen. Neben einem auf Youtube veröffentlichen Video bieten die Verantwortlichen außerdem noch eine Facebookgruppe an.1 Beworben wird die Aktion aber auch mittels Promotions vor Ort, z.B. durch Aktivitäten auf Veranstaltungen wie dem Joburg Day.2

Die Macher geben an, dass sie mit der Aktion den Stein ins Rollen bringen wollten und jetzt auf Folgeaktionen hoffen würden. Ein Imagewandel wäre der Stadt zu wünschen. Denn sie bietet viel Interessantes, wozu nicht zuletzt deren Bewohner zu zählen sind.

  1. Nach eigener Aussage ist YMJG auch auf Twitter aktiv, da habe ich aber nur einen inaktiven Account gefunden.
  2. Könnte natürlich auch wieder bzgl. der Verbreitung an möglichst unterschiedliche Menschen problematisch sein. Auf Veranstaltungen wie dem Joburg Day sind überwiegend Weiße zu finden und auch die Internetpenetration liegt immer noch bei mageren 10,8 Prozent, wovon die meisten auch wieder weiß sein dürften.
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