12 Feb 2011
Schockwerbung

Suff und schwere Jungs

(Kategorie: Textbeiträge, Videobeiträge)

Fahren unter Alkoholeinfluss ist in Südafrika ein großes Problem. Monatlich sterben rund tausend Menschen auf den Straßen. Initiativen versuchen mit mehr oder weniger aggressiven Anti-Alkohol-Kampagnen ein Bewusstsein für die Gefahren zu erzeugen. In einer aktuellen Kampagne warnt ein Getränkehersteller davor, als Frischfleisch im Knast zu landen.

Never drink and drive!

In einem aktuellen Spot sieht man verschiedene Männer, die davon erzählen, was für einen Partner sie sich wünschen. Das ganze erinnert an eine Partnerbörse. Einer wünscht sich jemanden, der schwierige Situationen mit einem Lächeln übersteht, wieder jemand sagt, dass er körperlich sehr fordernd sei. Schnell wird klar, dass es sich um Insassen eines Gefängnisses handelt. Der Spot spielt auf die Gefahr von Vergewaltigungen in Justizvollzugsanstalten an.

Verantwortlich für die Werbung ist der Getränkehersteller Brandhouse, der auf die Gefahren von Fahrten unter Alkoholeinfluss hinweist. Aufsehen erregte die Werbung Anfang Dezember. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung war sicher nicht grundlos gewählt. Die monatliche Anzahl von Verkehrstoten steigt traditionell während der Hauptferienzeit, die sich in Südafrika auf die Weihnachtszeit erstreckt. Vom 1. Dezember 2010 bis zum 5. Januar 2011 starben über 1500 Menschen. Das ist zwar immer noch weniger als die 1700, die für den Vorjahreszeitraum ermittelt wurden. Vergleicht man die Anzahl jedoch mit der aus Deutschland, wird das Problem besonders deutlich: Im Jahr 2009 fielen Verkehrsunfällen etwa 4000 Menschen zum Opfer.

Belastbare Daten, wie viele der Unfälle auf den Genuss von Alkohol zurückzuführen sind, habe ich leider nicht gefunden. Unstrittig ist das Fahren unter Alkoholeinfluss jedoch ein großes Problem, gilt es doch vielen Südafrikanern als Kavaliersdelikt. Die Erfahrung habe ich häufig selbst machen müssen. Obwohl ich mehrfach drauf hinwies, dass mir die Rolle des «designated driver» zukam, wurde mir ständig Alkohol angeboten, gelegentlich begleitet von einem irritierten «So what?»

Spannend an solchen Werbekampagnen finde ich die Diskussionen, die sich um solch provokante Reklamen entspinnen. Bezüglich des Anti-Alkohol-Spots wurde behauptet, dass er rassistisch und sexistisch sei und zudem die durch Vergewaltigungen verursachten Leiden relativiere.

Sexistisch sei der Spot, weil er Männer als Sexbestien darstelle. Rassistisch sei er, weil er als Partnerbörse für Weiße anfinge und als Bedrohung durch Schwarze ende. Wieder andere argumentieren, dass Vergewaltigungen als Bestrafung für Alkoholsünder einkalkuliert würden. Beweise für derlei Behauptungen gibt es nicht. Wie auch, sind sie doch vollständig aus der Luft gegriffen. Der Spot zeigt lediglich eine (klischeehafte) Konsequenz einer Inhaftierung in einem südafrikanischen Gefängnis. Dass die prophezeite Vergewaltigung eine (womöglich legitime) Strafe für eine Alkoholfahrt sei, wird nirgends suggeriert.

Sicherlich kann man über die Machart der Werbung streiten. Sie mag geschmacklos sein, sicher auch nicht gerade südafrikanischen Gefangenen schmeichelnd. Allerdings dürfte es der Werbelandschaft und vielen anderen kreativen Bereichen wenig zuträglich sein, wenn so ziemlich alle Elemente entfernt würden, von denen sich irgendeine Gruppe beleidigt fühlt. Außerdem soll die Werbung zum Denken anregen.

Weitere Videos und Bilder der Kampagne finden sich auf der Webseite der Werbeagentur FoxP2.

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