…und nüschts los! Da ist man nun schon mal in Kapstadt, der angeblich fünftgefährlichsten Stadt der Welt — und dann ist da alles ganz friedlich. Los ging es relativ früh, aber entspannt in Richtung Flughafen. Die Hölle war der zweistündige Flug mit British Airways nach Kapstadt.
Es lag nicht so sehr an British Airways und deren merkwürdige Art, auf die Flugangst deutscher Passagiere einzugehen. In den Wahnsinn getrieben hat mich ein schreiendes Kind. Das hat allen Ernstes fast zwei Stunden lang am Stück gebrüllt. Zum Glück konnte ich wenigestens ein paar schicke Bilder vom Abflug in Johannesburg und der Landung in Kapstadt machen. Leider nicht mit meiner der Kamera meines Bruders, weil die auf dem Weg nach Kapstadt kaputt ging.
Kristin und ich waren nicht direkt in Kapstadt, sondern in einem an der False Bay gelegenem Vorort namens Muizenberg (Mijuuuzenböörg). Für die False Bay hatten wir uns entschieden, weil dort das Wasser verhältnismäßig warm ist und ich eigentlich noch mal Baden gehen wollte (Kristin nicht, die hatte genug Sonne gesehen).
Die Badesession ist dann aber leider doch ins Wasser gefallen, weil ausgerechnet einen Tag vor unserer Anreise Haialarm ausgelöst worden war. Grund war ein Surfer, der einem Hai als Zwischenmahlzeit diente. Die Medienberichte gingen auseinander. Mal stand das Lunch nur brusttief im Wasser, mal war es viel weiter draußen, sodass der Hai einfach nicht wiederstehen konnte. Als wir übrigens zuvor Durban verließen, wurde noch am gleichen Tag auch jemand von einem Hai angeknabbert. Mich mochten die wohl nicht.
Übernachtet hatten wir bei Lesley und Roy, zwei symphatischen Wahlkapstädtern, die aus Großbritannien stammen. Das Haus liegt in Waterways an einem Fluss und das Wetter war einfach HERRLICH! Nur bei unserer Ankunft hatte es kurz geregnet, danach war das Wetter immer schee.
Eigentlich wollten wir nach Robben Island und hatten uns abgehetzt, damit wir es noch rechtzeitig schaffen; jedoch wurde die Tour dann «due to technical problems» abgesagt. Ich war stinksauer, insb. weil hier in Südafrika «technical problems» eine Erklärung für alles zu sein scheinen. Also flanierten wir durch die V&A Waterfront, ein sehr bekanntes Hafenviertel und Touristenmagnet in Kapstadt.
Später hatten wir uns entschieden, einfach mal an der Küste entlang zu fahren. Das hatten wir tags zuvor zwar auch schon gemacht, da sind wir aber nicht ganz so weit gefahren und außerdem waren die Batterien von Kristins Kamera leer und meine Kamera ist futsch, weshalb wir keine Fotos von der Smitswinkel Bay (eigentlich dem Stück davor) machen konnten. Das haben wir also nachgeholt. Die Bay liegt eher etwas versteckt. Wenn man runterläuft, findet man auch ein paar Häuser. Wenn man von den vielen Algen und Sandflöhen oder so absieht, ist es da unten echt schön.
In Muizenberg kann man Frau (!) übrigens hervorragend schoppen. Es gibt an der Kalk Bay nur und wirklich nur Frauen- und Trödelläden; also Frauenläden. Und es scheint auch wirklich in jedem Laden was zu geben, was Frau kaufen, oder wenigstens angucken und sich dabei vorstellen kann, es zu kaufen.
Wir waren u.a. in einem Laden, dessen Verkäuferinnen mich ankotzten, weil ich, als wir tags zuvor dort waren, von einer verfolgt worden bin, als sei ich ein Dieb. So kam es mir eigentlich ganz gelegen, dass Kristin mit ihrem für Männer unbegreiflichen «Das da ist eigentlich ganz toll, aber doch potthässlich, weil nicht perfekt»-Blick ein paar Ohrringe gefunden hatte, die ja eigentlich ganz toll, aber doch potthässlich, weil nicht perfekt waren: «Die Kugeln sind unterschiedlich groß, die Haken haben eine unterschiedliche Farbe und das Gewinde ist unterschiedlich lang». Ich: «WTF???»
Als sie sich nach was anderem unschaute, hab ich die Ohrringe eine Weile rumgetragen (könnte ja sonst eine andere vor der Nase wegkaufen!) und hab dann irgendwann eine Verkäuferin gefragt, ob man die Ohrringe nicht irgendwie anpassen könnte, «weil, weil, weil… die sind irgendwie unterschiedlich und irgendwas ist mit den Kugeln!» Zum Glück hatte die Verkäuferin auch diesen komischen Frauenblick. Wenn die mich gefragt hätte, was denn da bitte unterschiedlich ist, wäre ich schreiend rausgerannt. Dennoch hat es sich gelohnt: Kristin ist nun mit ihren perfekten Ohrringen glücklich und die Verkäuferinnen waren ein bisschen mit den (nervigen) Extrawünschen Kristins beschäftigt.
Ganz nebenbei bin ich aber dafür, dass alle Frauen- und Trödelläden verpflichtend Multimediaecken (Spielplätze!) für Männer einrichten sollten!
Wenn man in Kapstadt ist, dürfen natürlich der Boulder’s Beach in Simon’s Town mit seinen ganzen putzigen Pinguinen und der Tafelberg nicht fehlen. Auf dem Tafelberg hat ich nicht übel Lust, jemanden runterzuwerfen, nachdem er mich «Nigger» und andere Plagen einer Schulklasse auf Afrikaans beschimpft hatten. Aber ich dachte mir: Der wird schon mal noch irgendwann überfallen. Hoffentlich von einem «Nigger».
Ansonsten war es auf dem Berg echt schön. Häufig ist der Tafelberg ja mit der sog. «table cloth» also Tischdecke aus Wolken, bedeckt. Unser Sicht jedoch war himmlich. Ich kann echt nicht verstehen, dass da so viele Menschen einfach durchmarschiert sind. Dort kann man wirklich eine Weile zubringen.
Als ich da oben so rumlief, wurde ich auf einmal von jemanden angequarkt: «Ali, how are you». Ich: «WTF?» Da bin ich nun ca. 1600km von Johannesburg entfernt, und mir latschen zwei Typen übern Weg, die bei meinem ersten Braai (die Älteren unter meinen Lesern werden sich erinnern) auch dabei waren. Die haben mich aber auch nur wegen meiner Frisur erkannt.
Am Boulder’s Beach gab es viele kleine, süße Pinguine und ein paar Dassies, oder sog. afrikanische Klippschliefer oder Klippdachse. An einem Strandabschnitt ist es übrigens erlaubt zu baden, obwohl da auch Pinguine rumturnen. Dassies sind so was wie Ratten, nur viel größer und ohne Rattenschwanz. Wir wollten noch einen Klippschliefer fotografieren, der in einem Baum saß. Blöderweise kam dann eine Pflegerin vorbei und das Vieh ist ihr hinterhergerannt.
In Südafrika passiert es übrigens öfter mal, dass irgendwas abfackelt, häufig wird einfach irgendwas verbrannt. So war es auch in Muizenberg. Wir wollten noch Geld holen und einkaufen gehen, als wir auf einmal dichten Qualm hinter dem Supermarkt aufsteigen sahen. In Deutschland würde ja ziemlich ordentlich und effizient evakuiert. In Südafrika lassen sich die Menschen von ein bisschen furchtbar in den Augen brennendem und im Hals kratzendem Qualm nicht so leicht aus der Ruhe bringen und gehen weiter gemütlich shoppen.
Die fünftgefährlichste Stadt der Welt — total gemütlich.
[Im Januar 2010 geschrieben, aber ewig nicht veröffentlicht.]