In Südafrika, das stark auf Tourismus setzt, kann man so viel wunderbaren Kitsch kaufen, dass einem ganz warm ums Herz wird. Ein Tourist will ja schließlich Beweisstücke, dass er wirklich in Afrika war. Wenn ich die nötige Kohle und ausreichend viel Platz hätte, besäße ich einen Elefanten.

cc-by-nc-sa: Paul Gilowey/Cape Town Daily Photo

Würde in meinem Garten stehen, wenn ich viel Platz und Geld hätte: ein metallener Elefant

Ist das nicht ein schicker Elefant? In Südafrika habe ich, insbesondere während meiner Urlaubszeit in Durban und Kapstadt, ganz viele Kunststücke gesehen, die einfach super anzusehen waren. Klar, viele Gegenstände waren eher einfache Kunststückchen und sahen nach Massenware aus. Gerade Kapstadt lebt stark vom Tourismus und die meisten Urlauber dürften wohl nicht erkennen, was echte afrikanische Kunst ist. Oder sie wollen einfach nur ein kleines Andenken, dass nicht nur in die Tasche passt, sondern auch nicht gleich die strikten Vorgaben für das Fluggepäck sprengt.

Ich habe aber auch viele Stücke gesehen, die einfach nur atemberaubend toll und sehr aufwendig gestaltet waren. Stücke, deren Herstellung sehr viel mehr Zeit verschlungen haben muss als all jene der klitzekleinen Souvenirs, die man im Vorbeigehen erstehen kann. Stücke wie dieser supertolle Elefant. Paul von Cape Town Daily Photo fasst die Gedanken dazu gut zusammen:

Imagine how long it must have taken to build this elephant. Imagine all the effort that it took to cut and then weld the bits and pieces together… imagine how long it took to shine this enormous metal proboscidea.

Darüber hinaus frage ich mich, was so ein Ding wohl kostet. Eine ungefähre Ahnung bekommt man, wenn man sich mal die Rubrik Metallskulpturen auf der Webseite des African Trading Ports anschaut, vor dem der Elefant steht. Ein Radfahrer aus Metall und Drähten für rund 3000 Euro? Das ist nicht ohne.

So toll ich die Waren im African Trading Port, der nach eigener Aussage die verschiedenen Künste Afrikas unter ein Dach bringen will, auch finde, habe ich mich damals geweigert, irgendwas in dem Markt zu kaufen. Grund war eine blöde Verkäuferin, die mir die ganze Zeit hinterhergelaufen ist, als sei ich ein lumpiger Ladendieb. Weil mir das auf den Sack ging, entschied ich mich letzten Endes dafür, mein sauer Erklautes in einem anderen Craft Market auszugeben.

Zugeschlagen hatte ich dann im Waterfront Craft Market. Auch wenn der riesige Markt gar nicht so heimelig wirkte wie der African Trading Port, waren die Standbetreiber dort viel angenehmer — und geduldiger. Tapfer ertrugen die Verkäufer mein unentschlossenes Wesen. Es galt ja die Frage zu beantworten: Was soll ich nur kaufen?

Weil ich als Student natürlich auch aufs Geld achten muss und noch dazu gleich viel weniger Lust auf Diskussionen am Check In hatte, sind es bei mir dann auch eher kleinere, für Touris wohl typischere Souvenirs geworden. Zum einen ein kitschiges, aber TOTAL cooles Hüttchen aus Ton, auf dessen Dach man Duftöl verteilen kann, sodass es bei mir jetzt immer schön nach Sandelholz duftet, wenn’s Hüttchen qualmt.

Zum anderen habe ich mich für zwei — nennen wir es mal so — Gemälde von Sean Caulfield entschieden, die wie die Felsenmalereien der San aufgemacht sind. Toll an denen ist, dass die «Leinwände», auf denen die Gemälde und Skulpturen aufgebracht sind, mittels Fieberglas Felswänden nachempfunden wurden. Das sieht wirklich ein bisschen so aus, als hätte man ein eingerahmtes Stück Fels in der Hand — das federleicht ist.

Das Einkaufsgefühl in dem Markt war übrigens ein ganz anderes als auf den Flohmärkten, auf denen ich sonst war. Während die Flohmärkte so «afrikanisch» wirkten, wo man feilscht, bis gar nichts mehr geht, wäre mir das in dem Craft Market gar nicht eingefallen. Ich habe mich nicht mal getraut nach einem Preisnachlass für die zwei Bilder zu fragen. Glücklich bin ich trotzdem.

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8 Jun 2011

Rumlungern in Südafrika

(Kategorie: Fotobeiträge)
© Cécile Zahorka/KullaGulla

Eine faule Löwin irgendwo in Südafrika. Da wäre ich jetzt auch gern.

Die olle Cécile treibt sich mal wieder in Südafrika rum und macht wie immer tolle Fotos. Nur auf die obercoolen Erdmännchen lässt sie mich wieder warten.

Ein paar ältere Fotos gibt es derweil in ihrer Südafrika-Galerie, die — warum auch immer — unter Diverses versteckt ist.

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28 Mai 2011

Music Break

(Kategorie: Videobeiträge)

Irgendwann mal werde ich meinen vor Ewigkeiten angefangenen Artikel über Johnny Clegg beenden.

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20 Mai 2011

Linktipps (6)

(Kategorie: Textbeiträge)
  1. Entwicklungshilfe: Wie die gute Absicht in Kenia scheitert
    (Horand Knaup und Laura Koch, SPIEGEL)

    In Kenia wird ein Gymnasium mit deutschen Spendengeldern aufgebaut, 260 Schüler sollen in dem Gebäude für die Zukunft fit gemacht werden. Nachts aber rollen Bulldozer auf das Gelände und zerstören das errichtete Gebäude. Im Verdacht steht ein Lokalpolitiker, der schon zuvor Interesse an dem Gelände bekundet hatte. Doch niemand scheint den Fall aufklären zu wollen.

  2. South African «baby safe» condemned by child welfare groups
    (David Smith, THE GUARDIAN)

    Die Einrichtung einer Babyklappe in einem Kapstädter Familienzentrum wird von Protesten von Kinderfürsorgegruppen begleitet. Allerdings werden pro Jahr allein am Westkap schätzungsweise 500 Babys ausgesetzt. Die Polizei erfährt davon oft nur, wenn ein Hund ein Körperteil anschleppt.

  3. Journalisten-Misshandlungen in Uganda: Gewehrlauf im Gesicht
    (Simone Schlindwein, TAZ)

    Ugandas Präsident Yoweri Museveni lässt Demonstrationen gegen sein Regime brutal niederschlagen und will dafür keine Zeugen. Deshalb steigt die Gefahr für Journalisten, denen vorgeworfen wird, mit der Opposition im Bunde zu sein. Selbst vor Reportern der Regierungzeitung New Vision machen die Schläger nicht Halt.

  4. Polizeiausbildung in Somalia: Ohne Brot und Gesetz
    (Bettina Rühl, TAZ)

    Obwohl die internationele Gemeinschaft viel Geld in die Ausbildung von somalischen Polizisten steckt, verfügt das krisengeschüttelte Land über keinen funktionierenden Polizeiapparat. Die Polizisten erhalten oft keinen Lohn. So mancher verkauft deshalb sein Gewehr, um sich etwas Essen kaufen zu können.

  5. South African singer in racism row over k-word song
    (David Smith, THE GUARDIAN)

    Während sich ANC-Jugendliga-Präsident Julius Malema vor Gericht wegen des Verdachts auf Anstachelung zum Hass verantworten muss, droht der afrikaanse Sänger Steven Hofmeyr (muss man nicht kennen), ein Lied zu veröffentlichen, in dem er Schwarze als Kaffer bezeichnet. Wenn Tötet die Buren vor Gericht als Widerstandslied interpretiert würde, dann wolle er selbst eines anstimmen.

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19 Mai 2011
Die Toiletten-Saga

Wie sich Südafrikas Politik um Freiluftklos streitet

(Kategorie: Textbeiträge)

Weil das DA-regierte Kapstadt Township-Bewohnern nur Toilettenschüsseln im Freien zur Verfügung stellte, diskretitiert der ANC die Versorgungspolitik als rassistisch motiviert. Doch dabei versagt die Partei selbst, wie das Beispiel Moqhaka zeigte. Seit das bekannt wurde, streiten sich die Parteien, wessen «öffentliche Toiletten» die übleren sind.

© Brett Herron/Civic Duty

«Öffentliche Toilette»: Alle dürfen zuschauen

Aus Sicht der Democratic Alliance (DA) ware der Deal klar: Weil das Geld angeblich nicht ausreichte, Häuser in dem Kapstädter Township Khayelitsha mit Toiletten auszustatten, stellte die Stadtverwaltung lediglich die Anschlüsse und rund 1300 Schüsseln bereit; und die Bewohner sollten sich um die Behausungen kümmern. Fast alle hielten sich daran. Am Ende standen lediglich 51 unter freiem Himmel.

Für den African National Congress (ANC) war das die Gelegenheit, die Stimmung gegen die ungeliebte Opposition anzuheizen. Nachdem Protest wegen der noch nicht abgeschotteten Toiletten lautgeworden war, übernahm zwar die Stadt die notdürftigen Bauarbeiten, jedoch rissen Mitglieder der ANC-Jugendliga (ANCYL) die Häuschen wieder ein, weshalb die Stadt die Toiletten letztendlich komplett entfernte. Die Familien standen wieder ohne da.

Doch nicht nur auf der Straße ging der ANC gegen die DA vor, auch eine Verhandlung vor der südafrikanischen Menschenrechtskommission (SAHRC) wurde von der ANCYL initiiert, weil diese die menschliche Würde und Privatsphäre der Betroffenen verletzt sah. Nicht ganz zufällig dürfte sich die ANCYL für die Würde der Menschen in dem Township interessieren, denn am Mittwoch standen in Südafrika Kommunalwahlen an, die der ANC zwar für gewöhnlich ebenfalls dominiert. Am Westkap aber, wo sich die Klokrimi zuträgt, ist die Politik in der Hand der DA.

Die DA gilt, anders als der ANC, vornehmlich als Partei der Weißen und Coloureds, die mit dem ANC so recht nichts anfangen können, weil der sich, so der allgemeine Vorwurf, nur als Vertretung der Schwarzen sähe. Die aber bilden am Westkap nicht die dominierende Bevölkerungsgruppe, sondern kommen nur auf bescheidene 19 Prozent Bevölkerungsanteil. Entsprechend kann sich der ANC nicht (nur) auf seine Reputation als Partei des Widerstands verlassen, sondern muss nach schmutzigen Deals suchen, um mehr Stimmen zu sammeln.

Das Toilettendebakel ist dabei eine willkommene Gelegenheit, die DA an zwei Fronten anzugreifen: Zum einen rühmt sich die Partei sonst für ihre Effizienz bei der Umsetzung ihrer Politik, die durch die Affaire freilich infrage gestellt wird. Der zweite, viel wichtigere Punkt ist aber die Außenwirkung der Partei. Von vielen wird sie noch immer als (rassistische) Vertretung der Weißen und Privilegierten verstanden, die sich nicht um die Belange der anderen kümmere. Wenngleich die Partei seit wenigen Jahren versucht, ihre Attraktivität auch für Bürger anderer Hautfarben zu steigern, kann der ANC mit einem rassistisch motivierten Thema sehr gut Symbolpolitik betreiben und so auch die an Politik weniger oder gar nicht Interessierten Bevölkerungsteile erreichen, die vielleicht sonst gar nicht zur Urne gehen würden.

© 2011 Zapiro (Alle Rechte vorbehalten)
Publiziert mit Erlaubnis von zapiro.com

Weitere Cartoons gibt es auf www.zapiro.com.

So überrascht es nicht, dass Julius Malema, der in der Diskriminierung anderer selbst recht versiert ist, im Namen der Bewohner auf eine Klärung der toilet saga dringt. Die Botschaft ist klar: Seht her, WIR kümmern uns. Wählt uns. Nun ja. Ein Griff ins Klo. Es stellte sich nämlich heraus, dass es auch der Regierungspartei nicht gelingt, vernünftige Sanitäranlagen zur Verfügung zu stellen. In der Moqhaka-Gemeinde z.B. waren rund 1600 Toiletten ohne Wände aufgestellt worden, ohne dass es dabei Proteste von Seiten des ANC gab. Hieran wird die Arroganz des ANC deutlich, der lieber die Schwächen des Gegners kritisiert, anstatt zu prüfen, was im eigenen Lager schief läuft.

Die DA ihrerseits nutzte diesen Umstand für ihre Politik und legte Beschwerde gegen die Toiletten ein, wodurch eine Untersuchung provoziert wurde, die wie in Kapstadt ebenfalls zu dem Schluss kam, dass die Toiletten Würde und Privatsphäre der Betroffenen verletzten. Bekannt wurde zudem, dass die Vergabe der Bauaufträge wahrscheinlich korrumpiert wurde, indem die Bürgermeisterin von Moqhaka und ihr Mann kräftig mitverdienten, weil deren Firma die Ausschreibung gewann.

Entsprechend zoffen sich seitdem die Parteien, wer mehr Dreck am Stecken hat. Die DA beeilte sich zu betonen, dass das Angebot öffentlicher Dienstleistungen in anderen von ihr regierten Gemeinden besser funktioniere, verkniff sich aber einen Kommentar zum kürzlich veröffentlichten Urteil über die Verfehlungen des ANC, weil dieser am Ende wohl sowieso nur auf sie selbst zurückfiele. Der ANC ist derweil mit Schadensbegrenzung beschäftigt. Malema machte sich vor ein paar Tagen selbst ein Bild von der Lage und kam zum Schluss, dass Köpfe rollen müssten. Die Einsicht kommt spät; denn die Klos stehen zum Teil schon acht Jahre unter freiem Himmel.

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