4 Jul 2011
Kurzfilm

Shanty Town Cinderellas

(Kategorie: Textbeiträge, Videobeiträge)

Wenn in einem Slum, in dem die wenigsten Schüler überhaupt die Schule beenden, ein Kind sein Abitur schafft, dann muss das gefeiert werden. Der Kurzfilm Shanty Town Cinderellas zeigt, wie wichtig ein Abschlussball ist.

Hauptfiguren der zehnminütigen Dokumentation über Elend und Hoffnung sind vier junge Menschen, die es geschafft haben: Sie haben ihr Abitur und dürfen studieren. In den Cape Flats in Kapstadt, wo gerade mal einer von zehn Schülern die Schulkarriere erfolgreich beendet, gehören sie damit zu einer sehr kleinen Minderheit. Unabhängig von all der Kritik am südafrikanischen Bildungssystem, wonach die schulische Ausbildung besonders der armen Menschen immer noch kaum einen Pfifferling wert sei, haben die Jugendlichen Großartiges vollbracht.

© Cling Film Productions

Shanty Town Cinderellas

Fast alle Gemeinden in den Cape Flats sind von Armut, hoher Arbeitslosigkeit und Kriminalität betroffen. Vor diesem Hintergrund haben die Heranwachsenden nur geringe Chancen, aus dieser Gesellschaftsschicht auszubrechen. Wahrscheinlicher ist, dass sie abrutschen und zum Beispiel Mitglied einer Gang werden. So erzählt Wilmen Daniels: Die meisten meiner Freunde wurden zu einer Zahl in einer Statistik. Sie wurden Kriminelle oder fingen an Drogen zu nehmen. In meiner Gemeinde kenne ich rund vier oder fünf Jungs, die gerade ihr Abitur machen.

Was aber ist mit den Menschen, die nicht die Schule abbrechen, nicht drogensüchtig werden oder Drogen verkaufen und auch nicht andere Menschen überfallen, sich dafür den Zugang zur Universität erarbeiten? Für die ist ein rauschendes Fest, ein Abschlussball das Mindeste — unabhängig, was das kostet. Manche Eltern arbeiten Überstunden, andere nehmen gar einen Kredit auf, um die Feierlichkeiten finanzieren zu können. 500 Euro gab ein Absolvent für diesen einen Abend aus, für den Ball, die Kleidung und eine neue Frisur. Viel Geld, zumal für einen Townshipbewohner, aber der Ball ist für die jungen Menschen ein wichtiges Ereignis, das Highlight des Jahres. Und für die Gemeinden sind sie Hoffnungsträger, fast schon Superstars.

(Gefunden bei Africa is a country.)

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29 Jun 2011
Dokumentation

Unhinged: Surviving Joburg

(Kategorie: Textbeiträge, Videobeiträge)

OMG, ich habe gerade ein tolles Video über meine südafrikanische Lieblingsstadt Johannesburg gefunden. Ich liebe diese Stadt, weil sie sie so lebhaft und interessant ist und Menschen vieler verschiedener Nationen zusammenkommen. Joburg hat aber auch eine dunkle Seite. Die Dokumentation Unhinged: Surviving Joburg erzählt auch davon.

© Adrian Loveland/Pascal Schmitz

Unhinged: Surviving Joburg

Die Macher selbst beschreiben ihren Film wie folgt:

Unhinged: Surviving Jo’burg is an honest, quirky and sometimes frenzied documentary about Johannesburg, South Africa’s biggest city and the world’s gateway to Southern Africa. Johannesburg has often been portrayed in the world’s media as a death trap, or marketed as the ultimate place of gold and opportunity. In reality the city lies somewhere in between and, although Unhinged doesn’t dish up all the answers, it gives a representation that enables viewers to get closer to the truth of what Johannesburg really is.

Bisher gibt es den Film in einigen ausgesuchten südafrikanischen Läden, demnächst soll er aber auch über Amazon erhältlich sein, sodass er auch aus dem Ausland bezogen werden kann. Sollte es mir gelingen, den Film zu ergattern, werde ich sicher mal ‘ne Review machen.

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Fast schon ein Klassiker, den ich schon mal vor Monaten posten wollte: Die Satiresendung The Onion berichtet über verschwendete Milliarden Dollar, die angeblich an Andorra überwiesen wurden, weil die Verantwortlichen dachten, bei Andorra handele es sich um ein kriegsgeplagtes afrikanisches Land. Und wenn Andorra afrikanisch ist, dann muss es den Menschen dort schlecht gehen.

Witzig finde ich vor allem auch die Afrikakarte, die während des Interviews gezeigt wird, und den Kommentar it sounded right, als es um die Frage geht, ob Andorra denn nun wirklich in Afrika liege. Das symbolisiert so schön die in westlichen Nationen so weit verbreitete Unkenntnis über Afrika.

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18 Jun 2011

Gib Gummi

(Kategorie: Videobeiträge)

Wenn ich das nötige Kleingeld hätte und vor allem fotografieren und filmen könnte, dann würde ich mir ja u.a. die EOS 5D Mark II zulegen. Warum, das zeigt zum Beispiel ein kurzer Beitrag des Kameramanns Christian Parkinson.

In Johannesburg hat er sich mit der Gauteng Spinning Association getroffen und ein schickes Porträt über die ollen Umweltsünder erstellt. Jetzt will ich auch noch ein Auto, mit dem man driften kann.

© Christian Parkinson, caparkinson.com

Parkinson hat auf seiner Webseite noch mehr gute Filmbeiträge. Man kann ihm auch auf Twitter folgen (@caparkinson), wo er oft gute Links zu Beiträgen anderer Journalisten postet.

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15 Jun 2011

Africa for Dummies

(Kategorie: Textbeiträge)
Idee: Michael Kirkpatrick/Independent Global Citizen

Eigentlich wollte ich zu dem Cover nichts weiter schreiben als: Ja, bitte! Das brauchen wir! Unbedingt!

Mehr braucht es eigentlich nicht, weil ich schon öfter auf die schwierige Wahrnehmung Afrikas hingewiesen habe; wir erinnern uns: Afrika ist der K-Kontinent, geprägt von Kriegen, Krisen, Korruption… Alles schon gehört. Kennt man ja.

Aber dann doch noch ein paar Worte. Das eigentlich als Blödelei gedachte Cover stammt von Michael Kirkpatrick, der als Independent Global Citizen schreibt und sich ebenfalls Gedanken über die sehr einseitige Afrikaberichterstattung macht:

Americans would be offended if the world defined America through sensational murders, natural disasters, misguided political leaders, and epidemics. That’s exactly what we do to other parts of the world. (via Africa is not a country)

Recht hat er. Doch was für die Amerikaner gilt, ist für die Deutschen nicht verkehrt. Man denke nur mal an den Aufschrei vor der Fußball-WM 2006, als die afrikanische Gemeinde in Berlin plante, eine Karte mit No-Go-Areas zu veröffentlichen, um Ausländer besser vor Naziübergriffen zu schützen. Unwahr sei das. Stigmatisierend noch dazu. Insbesondere Brandenburg (Wer denkt auch gerade an Reinald Grebe?) hatte damals sein Fett abbekommen, als Uwe-Karsten Heye eindringlich davor warnte, bestimmte Gegenden zu besuchen, wenn man nicht weiß ist.

Und was passierte vor über einem Jahr? Genau dasselbe, nur einen Zacken schärfer. Während im ersten Fall immerhin noch eine Interessengruppe von sich reden machte, die selbst vor Ort agiert, also die Lage recht gut kennen sollte, erdreistete sich jeder dahergelaufene Depp Journalist, vor der großen afrikanischen Gefahr zu warnen. Die Pappnasen haben sich gar nicht mehr eingekriegt, wenn mal wieder was passiert ist.

Da wurde allen Ernstes der Angriff auf eine Fußballmannschaft auf angolanischem Boden mit der südafrikanischen Sicherheitsdebatte verknüpft. Ebenso die Massenpanik bei einem WM-Qualifikationsspiel an der Elfenbeinküste. Äh ja, ebenso könnte man vor einem Besuch in Deutschland warnen, wenn in Großbritannien wieder eine Bombe explodiert, oder die Jugendlichen in den französischen Vororten mal wieder den Aufstand proben. Bescheuert.

Doch was passierte während der WM? Genau. Nichts. Jedenfalls nichts dramatisches. In ihrer Not schrieben Journalisten darüber, wie sie selbst überfallen, ausgeraubt oder bestohlen wurden. Diese verdammten Touristen wollten sich einfach nicht um ihre Habe erleichtern lassen.1

Um nicht ständig in dieselben dämlichen Interpretationsmuster zu verfallen, braucht es Wissen und Verständnis für fremde Kulturen. Das kriegt man natürlich nicht, wenn man in seinem eigenen Saft brät. Verständnis als Journalist könnte man ja schon erlangen, wenn man mal gezwungen würde, sich mit dem Scheiß auseinanderzusetzen, den man so verzapft.2 Einem ordinären Medienkonsumenten würde es vielleicht schon helfen, mal mehr als nur die Pflichtnachrichten zu schauen.

Kirkpatrick hatte seine Sicht der Dinge nach eigenen Angaben übrigens durch einen malawischen Brieffreund erhalten, der ihm schrieb, nachdem er dessen Dienstausweis in einem Hemd fand, das Kirkpatrick der Heilsarmee gespendet hatte. Die Brieffreundschaft hielt immerhin zwei Jahre und Kirkpatricks Interesse an Afrika war geweckt.

Obwohl das Cover nur eine Blödelei war, würde sich Kirkpatrick schon freuen, wenn ein solches Buch mal Realität würde. Vielleicht wäre es ja ein Impuls für Nichtafrikaner, mal umzudenken.

Ein frommer Wunsch.

  1. Angeblich soll die Kriminalitätsstatistik wegen der Fußball-WM verzögert herausgegeben worden sein, wodurch Journalisten natürlich weniger Fälle hätten, worüber sie berichten könnten. Allerdings habe ich zu diesem Vorwurf nichts gefunden.
  2. Z.B. In Redaktionssitzungen *hust*
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