Wie Sie vermeiden, von der Polizei erschossen zu werden*
Nun, da Vizepolizeichef Fikile Mbalula sagte, dass unweigerlich unschuldige Menschen von der Polizei erschossen würden, sollte man einige Vorsichtsmaßnahmen ergreifen, falls man selbst und die eigene Familie am Leben hängt.
Zuerst einmal sollten Sie jeden Kontakt mit der Polizei vermeiden. Selbst wenn man ein Verbrechen melden will, läuft man Gefahr, von der Polizei erschossen zu werden, nur weil es gerade keine Tatverdächtigen gibt. Falls Sie an einen Tatort kommen, dann laufen sie lieber schnell weg, genau wie es die Regierung unter P.W. Botha von Journalisten gewollt hätte, wenn die sich selbst inmitten von Unruhen wiederfanden.
Sollte ein Zusammentreffen mit der Polizei unvermeidlich sein, dann halten Sie beide Hände nach oben, schmunzeln und sagen Sie «Ja, Herr Polizist, nein, Herr Polizist, ich hab hier was tolles für Sie, Herr Polizist».
Unter allen Umständen müssen Sie Ihre Kinder vor ihnen verstecken. Man weiß nie, ob ein Polizist nicht auf der anderen Straßenseite einen Kriminellen sieht und sofort das Feuer eröffnet. Lassen Sie Ihre Kinder bloß keine Rohre, Hockeyschläger oder irgendwas anderes in der Hand halten, was Polizisten fälschlicherweise für eine AK-47 halten und sie zu Präventivmaßnahmen gegen einen Dreijährigen veranlassen könnten.
Passen Sie Ihre Lebensversicherung an, damit auch Erschießungen durch die Polizei abgedeckt sind. Sie wollen ja schließlich nicht, dass Ihre Familie Entbehrungen erleiden muss, nur weil im Kleingedruckten steht, dass die Versicherungsfirma keine Haftung übernimmt, wenn Sie so doof sind, sich zwischen einen Cop und seinen Verdächtigen zu stellen.
Denken Sie gar nicht daran, eine richterliche Verfügung zu erwirken, um Erschießungen durch die Polizei zu unterbinden. Das funktioniert nicht. Zumindest funktionierte es nicht beim Taxiboss Bongani Mkhize, der drei Monate nach Bewilligung einer richterlichen Anordnung erschossen wurde. Die Polizisten sagten, er habe zuerst geschossen. Irgendwie muss er das durch ein geschlossenes Autofenster geschafft haben, während er nach hinten guckte und das Auto nach vorn fuhr.
Man sollte berücksichtigen, dass die Polizei mehr Verdächtige als vollkommen Unbeteiligte erschießt. In einem Jahr wurden bis Ende April 568 Menschen erschossen, wovon 32 Bürger waren, die zufällig in den Kugelhagel gerieten. Das sind lächerliche 5,66 Prozent — einer pro 18 Gauner, oder vermeindliche Gauner. Familien von Erschossenen verklagten die Polizei auf rund 300 000 Euro, ein vergleichsweiser kleiner Anteil am Polizeibudget – aber immer noch genug, um dem Minister, seinem Stellvertreter und dem Kommissar neue Autos zu kaufen.
Ist man überhaupt generell unschuldig? Nicht, dass sie es womöglich verdient haben, erschossen zu werden, weil sie es vemasselt hatten, ein paar kleinere Beträge in der Steuererklärung anzugeben, oder weil sie eine stattliche Sammlung an Knöllchen angehäuft hatten.
Verdächtige sofort zu erschießen, würde aber auch die Gerichte entlasten. Es würde helfen, den Rückstand aufzuarbeiten und die langwierigen Gerichtsprozesse zu beseitigen. Die Zahl der Untersuchungshäftlinge würde verringert. Außerdem müsste man nun auch nicht mehr die Verfassung ändern, um Personen hängen zu können, wenn man sie einfach erschießen kann — solange die unvermeidlichen Tötungen unschuldiger Bürger nur auf einem Minimum gehalten werden können, oder bei 5,66 Prozent.
Präsident Zuma forderte die Polizei auf, vorsichtig zu sein, wenn sie schießen. Hat in letzter Zeit irgendjemand zugehört, wenn der was gesagt hat?
John Scott, PS Column in der Cape Times am 18.11.2009
* Aus dem Englischen mit freundlicher Genehmigung des Autors