[Warnung: Dies ist ein Meckereintrag, also potentiell nichts für Bazille und Kathrin!]
Letzte Woche ist es passiert. Zum ersten Mal habe ich die wirklich ungemütlichen Seiten Südafrikas kennengelernt. Bei uns wurde eingebrochen, während wir noch im Haus waren. Normalerweise bedeutet so ein Einbruch, dass die Opfer wahlweise schwer verletzt, vergewaltigt, verstümmelt und/oder umgebracht werden. Kreischende Holländer sei Dank ist uns nichts passiert.
Die Täter drangen so gegen fünf Uhr morgens in das Grundstück ein. Das finde ich erstaunlich, weil alle Autos noch da waren und das in Südafrika im Umkehrschluss bedeutet, dass alle Bewohner auch noch da sind — also ein erhöhtes Risiko erwischt zu werden. Die Täter klauten alle Autoradios bis auf meines. Mein Glück: Die Holländer hatten ihre Autos nicht abgeschlossen, weshalb man sich erst mal an deren Autos bediente. Bei mir versuchten die Täter das Schloss aufzubrechen (ist jetzt demoliert), aber weil währenddessen einer der Täter durch das Fenster der kreischenden Holländer gegriffen hatte (die übrigens schon wach waren, weil sie sehr früh zur Arbeit mussten), entfuhr den Holländern ein gellender Schrei (wie ich später erfuhr, waren es zwei). Deshalb ergriffen die Täter die Flucht.
Ich wurde später geweckt und auf das Problem hingewiesen, habe mich aber wieder in mein Zimmer zurückgezogen, obwohl ich davon ausging, dass die Täter nun wirklich weg sind. Der Grund: Ich hatte Angst, dass ich von einem Guard (die übrigens in aller Regel schwarz sind) der Sicherheitsfirma erschossen werden könnte. Ich bin nun mal schwarz und in den gesellschaftlichen Kreisen, in denen ich mich hier bewege, bin ich der Feind. Ich bin es, der die Leute wahlweise schwer verletzt, vergewaltigt, verstümmelt und/oder umbringt. Daher hab ich lieber gewartet, bis die Weißen draußen waren, und erst dann den Schaden begutachtet.
Die südafrikanische Polizei — zu faul oder zu dumm?
Zum ersten Mal habe ich selbst erlebt, wie inkompetent und dumm Polizeibeamte hier sind. Die brauchten erstens eineinhalb Stunden, bis die bei uns waren (die Polizeistation ist nur fünf Minuten entfernt und immer wenn ich dort bin, ist sie mit rumsitzenden Polizisten vollgestopft) und zweitens zeigten sie weder Elan noch Kenntisse — ich weiß nicht, was schockierender ist.
Wir leben auf einem Grundstück, dass durch hohe Mauern, Stacheldraht und elektrische Zäune gesichert ist. Aber das erste, was der Herr Constable Wichtigtuer zu sagen hatte, war: «Selbst schuld, man lässt nicht die Radios im Auto». Ich hab den werten Herrn dann mal auf die ganzen Sicherheitsmaßnahmen hingewiesen.
Besonders aufgeregt habe ich mich aber darüber, dass meine Frage, wann denn bitte die Spurensicherung kommt, um z.B. die hervorragend sichtbaren Fingerabdrücke an meinem Auto zu sichern, beantwortet wurde mit: «Die kommen gar nicht. Sie müssen mit Ihrem Auto zur Polizistation Sandton fahren. Dort werden die Abdrücke dann abgenommen». WTF? Das Auto ca. 10km durch die Welt kutschieren und dabei sehr wahrscheinlich Beweise vernichten? Auf meine Frage, wie hoch denn die Chance ist, überhaupt jemanden zu identifizieren, antwortete er: «Ca. 15 Prozent». So so, 15 Prozent… Könnte nicht vielleicht, eventuell, womöglich ein Zusammenhang zwischen der geringen Zugriffsquote und der Vernichtung von Beweisen existieren???
Spurensicherung? Zu viel Arbeit!
Die Infos habe ich noch am selben Tag direkt bei der Polizeistation geprüft. Allen Ernstes meinte der Beamte dort auch, dass ich mit dem Auto nach Sandton muss.
Ich: «Glauben Sie nicht, dass man durch so was Beweise vernichten kann?»
Beamter: «Wie glauben Sie denn, Beweise vernichten zu können?»
Ich: «Na zum Beispiel wenn es regnet (Sie unfähiger Vollidiot).»
Beamter (grinst): «Aber es regnet doch gar nicht.»
Ich: «(Fick dich doch, du Arsch) Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend.»
Ich hätte natürlich nach einem weißen Beamten fragen können, der mir meine Fragen womöglich anständig beantwortet. Ich hätte aber auch ebensogut gleich vor versammelter Mannschaft einen von diesen [Beleidigung] Beamten erschießen können. Das Resultat wäre wohl das gleiche.
Als ich auf der Webseite der Polizei nach einer Beschwerdemöglichkeit ob dieses [Hier Beleidigung allerübelster Art eintragen] Versagens suchte, fand ich zufällig auch ein paar FAQs zum Thema Einbruch:
- Rufen Sie schnellstmöglich bei der nächsten Polizeistation an.
- Fassen Sie nichts an, bevor nicht alle Fingerabdrücke gesichert und Aussagen aufgenommen worden sind.
- Erlauben Sie privaten Sicherheitsdiensten nicht, das Haus zu betreten oder etwas anzufassen, bevor die Polizei eingetroffen ist.
Zuhause erfuhr ich dann übrigens, dass die Typen selbst zum Eröffnen eines Falles zu dumm sind. Die Holländer haben nicht nur eine falsche Fallnummer bekommen, mit der sie dann nach Sandton sind (Beweisstücke und so), sondern sie müssen noch mal selber nach Linden, dort für die Übermittlung der richtigen Akte sorgen und dann noch mal nach Sandton fahren, um dort einen komplett neuen Fall zu eröffnen — wegen der Beweisstücke, die noch hinzugefügt weden müssen.
Ich bin wirklich froh, dass ich immer das Tor zur Küche (und damit zum Haus) jeden Abend abschließe und die Einbrecher ziemlich hohl zu sein scheinen, sodass nichts Schlimmes passiert ist. Aber allein schon nach dem Erlebnis versteh ich, warum man hier in Südafrika sagt: «Never call the police!»