Der ein oder andere mag sich noch daran erinnern: Ende November berichtete ich davon, dass ich zu Home Affairs musste, weil einen Monat später mein Visum ablaufen würde. Da ich ein berechtigtes Interesse daran hatte, weder von der Polizei aufgriffen und womöglich für einen aus Simbabwe stammenden Eindringling gehalten und dann verprügelt, noch des Landes verwiesen zu werden, ging kein Weg daran vorbei. Alles lief wider Erwarten reibungslos. Hätt ich über den Umstand nur mal keine Witze gerissen.
Offiziell soll die Bearbeitung der Anträge nicht länger als 30 Tage dauern. Aber warum sollten die ausgerechnet bei mir ‘ne Ausnahme machen und sich an die Regeln halten? Noch Mitte Januar, als ich mit Kristin nach Kapstadt fliegen wollte, hatte ich den Scheißstempel immer noch nicht. Über Umwege erhielt ich die Telefonnummer einer Person, die für solche Anträge zuständig ist. Ihre Antwort: «Eigentlich sollte alles fertig sein und wenn nicht, dann finden wir eine Lösung». Die Dame wurde mir übrigens als kompetent empfohlen.
Bei Home Affairs selbst erfuhr ich dann nach ca. einer Stunde warten: «Ups, Antrag verloren. Sorry, aber deeen müssen Sie noch mal stellen». Antrag neu zu stellen war für mich kein Problem. Ist ja eh eines meiner ganz großen Hobbys, die ich inbrünstig auslebe. Ganz besonders gern im CBD von Johannesburg, wo ich gleich zweimal an einem Tag hinfahren musste, weil ich noch Unterlagen zusammensuchen musste.
Problematisch war jedoch, dass ich am folgenden Tag nach Kapstadt wollte. Eigentlich werden Pässe auf innerländlichen Flügen nicht kontrolliert, jedoch muss das ja nicht heißen, dass die furchtbar netten Immigration Officers das auch wissen. Daher wollte ich hier schon Sicherheit haben. Während Kristin nun also verkokelt daheim rumlungerte, hing ich erneut bei Home Affairs im CBD rum. Müsst ihr mal ausprobieren. Den ganzen Tag eingesperrt in einem Raum voll stinkender Menschen, die entweder schon seit morgens sieben Uhr da rumsitzen und schwitzen und/oder von (Mund)hygiene allgemein nicht so viel halten. Yam, yam.
Home Affairs ist übrigens nicht nur für Ausländer sondern auch für Südafrikaner verantwortlich. Jeder Südafrikaner, der Geburtsurkunden, Personalausweise, Reisepässe usw. usf. benötigt, muss zu von den Südafrikanern genannten «Horror Affairs» gehen. Es kann schon mal mehrere Jahre (!) dauern, bis jemand ein gewünschtes Dokument bekommt. Ganz wie im Haus das Verrückte macht bei Asterix und Obelix werden Leute von A nach B zu C und wieder zurück nach A geschickt — beliebig oft.
So was kann Menschen zur Verzweiflung treiben. Bei einer Unterhaltung mit einem Local bei uns auf Arbeit erfuhr ich, dass man in Südafrika keinen Job annehmen darf, wenn man keinen Personalausweis hat. Ein junger SÜDAFRIKANER versuchte lange Zeit aus dem Grund seinen Ausweis zu bekommen, wurde aber immer wieder weggeschickt. Die Krönung war, dass er von einem Beamten mit der Begründung weggeschickt worden sein soll, er sei Ausländer (der Beamte soll die abwertende Bezeichnung Kwere Kwere verwendet haben) und habe daher keinen Anspruch auf einen Pass. Der junge Mann nahm sich das Leben.
Da freut man sich doch über das deutsche Beamtentum. Und froh bin ich auch, als Deutscher quasi Ausländer erster Klasse zu sein. Ganz schlecht geht es z.B. den Simbabwern, die ständig schikaniert werden, weil nicht wenige Südafrikaner glauben, Simbabwer seien schuld an Kriminalität, Arbeitslosigkeit und Sittenverfall in Südafrika. Und Typen, die so was glauben, arbeiten eben auch bei Horror Affairs.
Nachtrag, 14. November 2010: Als würde Claus Stäcker von der ARD von meinen Erlebnissen erzählen. Nur kurzweiliger.