Ladysmith Black Mambazo. In Südafrika ein sehr bekannter Chor. Gestolpert bin ich über ihn aber erst in Kapstadt. Kristin und ich liefen gerade durch so einen Trödelladen, hinter dem sich ein tolles Bistro befindet. Angelockt wurden wir nicht nur durch den tollen Duft, sondern auch durch ein Lied: Inkanyezi Nezazi.

«Ladysmith» leitet sich aus dem Gründungsort des Chores ab, dem südafrikanischen Township mit selben Namen. «Black» steht für den schwarzen Ochsen, eine wichtige Figur in der Zulukultur und «Mambazo» heißt auf deutsch Axt. Mambazo begründe sich in der Stimmgewalt der Männer, mit der sie die Konkurrenz entzwei schlagen. Das glaub ich gern.

Ladysmith Black Mambazo — How long

Ladysmith Black Mambazo — Mbube

Bekannt wurde Ladysmith Black Mambazo in Nordamerika und Europa übrigens durch ein Album von Paul Simon (der von Simon & Garfunkel) namens Graceland. Simon nahm das Album vornehmlich mit schwarzen Künstlern aus Südafrika und Lesotho in Südafrika auf. Das brachte ihm Kritik ein, weil Südafrika zurzeit der Entstehung des Albums noch unter der Apartheid litt und ein kultureller Austausch mit einem Bann belegt war.

Ladysmith Black Mambazo — Hello my Baby

Gelegentlich ist es nicht schlecht, auf ein Verbot zu pfeifen.

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Mein Lieblingssatz der letzten sechs Monate: «Ali has been here for six month and there was no trouble. Now the Dutch guys are here. Look at this! Look at this!»

Der Hintergrund: Nun sind DIE zwar nicht da, bis auf einen, der eigentlich ganz ok ist — solange er Alkohol in Maßen trinkt. Aber das hat er nicht. Darum hat er alles vollgekotzt. Darüber hinaus haben DIE, die jetzt gerade nicht da sind, wieder mal ein mittelschweres Chaos hinterlassen: «When Ali was here alone and I went to the kitchen on Saturday morning, there was only one cup.»

Wenn sich eine schwarze Putzfrau das Recht rausnimmt, einen Weißen zur Sau zu machen, dann ist die Kacke wirklich am dampfen. Ich bin mir aber nicht so sicher, ob es für die ohnehin schon brüchigen deutsch-holländischen Beziehungen so förderlich ist, dass mein Verhalten jetzt sogar schon offiziell als Maßstab herangezogen wird.

Aber stolz bin ich schon irgendwie. Vielleicht sollte der Vermieter, der ja schon keine Briten reinlässt, weil die so schlimm seien, eine etwaige Vermietung an bestimmte Kriterien knüpfen. Nur Mieter, die die DIN-Norm Ali 2010/01 erfüllen, dürfen einziehen.

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Der ein oder andere mag sich noch daran erinnern: Ende November berichtete ich davon, dass ich zu Home Affairs musste, weil einen Monat später mein Visum ablaufen würde. Da ich ein berechtigtes Interesse daran hatte, weder von der Polizei aufgriffen und womöglich für einen aus Simbabwe stammenden Eindringling gehalten und dann verprügelt, noch des Landes verwiesen zu werden, ging kein Weg daran vorbei. Alles lief wider Erwarten reibungslos. Hätt ich über den Umstand nur mal keine Witze gerissen.

Offiziell soll die Bearbeitung der Anträge nicht länger als 30 Tage dauern. Aber warum sollten die ausgerechnet bei mir ‘ne Ausnahme machen und sich an die Regeln halten? Noch Mitte Januar, als ich mit Kristin nach Kapstadt fliegen wollte, hatte ich den Scheißstempel immer noch nicht. Über Umwege erhielt ich die Telefonnummer einer Person, die für solche Anträge zuständig ist. Ihre Antwort: «Eigentlich sollte alles fertig sein und wenn nicht, dann finden wir eine Lösung». Die Dame wurde mir übrigens als kompetent empfohlen.

Bei Home Affairs selbst erfuhr ich dann nach ca. einer Stunde warten: «Ups, Antrag verloren. Sorry, aber deeen müssen Sie noch mal stellen». Antrag neu zu stellen war für mich kein Problem. Ist ja eh eines meiner ganz großen Hobbys, die ich inbrünstig auslebe. Ganz besonders gern im CBD von Johannesburg, wo ich gleich zweimal an einem Tag hinfahren musste, weil ich noch Unterlagen zusammensuchen musste.

Problematisch war jedoch, dass ich am folgenden Tag nach Kapstadt wollte. Eigentlich werden Pässe auf innerländlichen Flügen nicht kontrolliert, jedoch muss das ja nicht heißen, dass die furchtbar netten Immigration Officers das auch wissen. Daher wollte ich hier schon Sicherheit haben. Während Kristin nun also verkokelt daheim rumlungerte, hing ich erneut bei Home Affairs im CBD rum. Müsst ihr mal ausprobieren. Den ganzen Tag eingesperrt in einem Raum voll stinkender Menschen, die entweder schon seit morgens sieben Uhr da rumsitzen und schwitzen und/oder von (Mund)hygiene allgemein nicht so viel halten. Yam, yam.

Home Affairs ist übrigens nicht nur für Ausländer sondern auch für Südafrikaner verantwortlich. Jeder Südafrikaner, der Geburtsurkunden, Personalausweise, Reisepässe usw. usf. benötigt, muss zu von den Südafrikanern genannten «Horror Affairs» gehen. Es kann schon mal mehrere Jahre (!) dauern, bis jemand ein gewünschtes Dokument bekommt. Ganz wie im Haus das Verrückte macht bei Asterix und Obelix werden Leute von A nach B zu C und wieder zurück nach A geschickt — beliebig oft.

So was kann Menschen zur Verzweiflung treiben. Bei einer Unterhaltung mit einem Local bei uns auf Arbeit erfuhr ich, dass man in Südafrika keinen Job annehmen darf, wenn man keinen Personalausweis hat. Ein junger SÜDAFRIKANER versuchte lange Zeit aus dem Grund seinen Ausweis zu bekommen, wurde aber immer wieder weggeschickt. Die Krönung war, dass er von einem Beamten mit der Begründung weggeschickt worden sein soll, er sei Ausländer (der Beamte soll die abwertende Bezeichnung Kwere Kwere verwendet haben) und habe daher keinen Anspruch auf einen Pass. Der junge Mann nahm sich das Leben.

Da freut man sich doch über das deutsche Beamtentum. Und froh bin ich auch, als Deutscher quasi Ausländer erster Klasse zu sein. Ganz schlecht geht es z.B. den Simbabwern, die ständig schikaniert werden, weil nicht wenige Südafrikaner glauben, Simbabwer seien schuld an Kriminalität, Arbeitslosigkeit und Sittenverfall in Südafrika. Und Typen, die so was glauben, arbeiten eben auch bei Horror Affairs.

Nachtrag, 14. November 2010: Als würde Claus Stäcker von der ARD von meinen Erlebnissen erzählen. Nur kurzweiliger.

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Das ist wie ein Unfall. Ich kann weder richtig hingucken, noch kann ich wegsehen.1 Was der geneigte Leser da unten ungläubig anstarren kann, nennt man hier Sokkie, oder auch Langarm.2

Sokkie (Langarm)

Die Musik läuft immer mal so zwischendurch für ein Lied und dabei ist es Wurst, was gerade vorher gespielt wird: Hip Hop, Techno, scheißegal. Wenn die Musik läuft, benehmen sich die Weißen wie in dem Video. Ich wollt es nicht glauben und dann hat mein Chef mir so ein Video gezeigt. Jetzt steh ich wie er damals mit offenem Mund da und mir läuft ein kalter Schauer über den Rücken. Das sieht — nett formuliert — sehr ungelenk aus. Btw: Hat da ja jemand einen Schwarzen tanzen gesehen? Nein? Wen wundert’s? Der Sokkie, der übrigens so heißt, weil man den gern nur in Socken oder barfuß tanzt, ist so ein richtiges Afrikaaner-Ding.

Die Typen in dem Video haben übrigens zu einem englischsprachigen Song von Michael Bublé getanzt. Es ist aber gar nicht so unüblich, dass bekannte Songs auf Afrikaans eingespielt oder gleich ganz neue komponiert werden. Leider habe ich kein Video gefunden, in dem zu afrikaanser Musik getanzt wird, aber hier mal eine Kostprobe, wie afrikaanse Musik klingt: Kurt Darren – Papsopwinterwaternat.

  1. Bei Unfällen gaff ich übrigens nicht. Ist mir potentiell zu blutig und außerdem hält das den Verkehr auf.
  2. Geht’s nur mir so, oder muss noch jemand bei dem Wort an «den Arm zum deutschen Gruße gestreckt» denken?
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Wenn man im fremdsprachigen Ausland ist, dann wird — so jedenfalls die Hoffnung — die Konversationsfähigkeit mit einiger Zeit besser. Angeblich soll man nach einer Weile sogar in der Fremdsprache träumen. Das kann ich bisher nicht bestätigen. Entweder träume ich noch gar nicht in fremden Zungen, oder ich kann mich einfach nicht daran erinnern. Ich weiß aber, dass mich im Traum ein Dozent  der Wits umbringen wollte, weil ich irgendwas aufdecken wollte. Kann aber auch in Deutsch gewesen sein, weil der sehr gut Deutsch spricht. Zählt das?

Na ja, jedenfalls, sind meine Konversationsfähigkeiten tatsächlich rapide gestiegen. Mittlerweile beschweren sich schon meine englischsprachigen Gesprächspartner, dass ich viel zu schnell reden würde. Tu ich übrigens nicht. Die denken nur zu langsam.

ABER: Gelegentlich fallen mir bestimmte Vokabeln nicht ein. Dann krame ich in den verstaubtesten Ecken meines Kopfes nach den Wörtern. Nichts! Nada! Niente! Aber auf einmal kann ich mich auf Französisch und sogar Swahili artikulieren. Bringt mir jetzt natürlich super viel, weil es den Sprechfluss unglaublich erleichtert, und in ein paar Wochen hock ich wieder im Swahilikurs und kann nur Deutsch und Englisch antworten, wenn Mwalimu Abtilatif fragt: «Any Frage?» C’est super!

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