10 Jun 2010

Vuvuzelas teilweise verboten

(Kategorie: Textbeiträge)

Nun hat auch die Stadt Hannover ein Vuvuzela-Verbot auf den Weg gebracht. Laut dpa darf beim Public Viewing1 in verschiedenen Städten wie Berlin, Nürnberg, Hamburg und jetzt auch Hannover in nicht getrötet werden. Als Begründung gab die Stadt an, dass die 123 Dezibel, die geübte Bläser erreichen könnten, zu laut und daher schädlich für die Gesundheit wären.

Es gibt aber verschiedene Orte, an denen die Verwendung der Hörner (vorläufig) erlaubt sein wird. Mit dabei sind z.B. München, Frankfurt und Wiesbaden. Die Stadt München wolle erst mal schauen, wie laut es wirklich ist, und ggf. einschreiten. Eine Nachfrage bei der Veranstaltungsstelle der Stadt Leipzig ergab, dass hier bisher noch kein Verbot für Vuvuzelas geplant ist. Bisher habe sich die sächsische Staatsregierung noch nicht zu einem Verbot entschließen können. Auszuschließen sei dies aber nicht.

Ich habe übrigens die Info über das Verbot an ein paar südafrikanische Freunde weitergereicht und u.a. folgende Antwort erhalten: «You guys just suck! Vuvuzelas are the ‹WORLD CUP ACCESSORY› for 2010. its a must have, even if you can’t blow it». Hach, wem sagt sie das…

  1. Hab ich mich eigtl. schon mal darüber ausgelassen, welche Bedeutung «Public Viewing» im Englischen noch so hat? Nein? Bitteschön! Unbedingt auch die Forendiskussion lesen.
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8 Jun 2010

Animalisch

(Kategorie: Videobeiträge)

In meinem Beitrag über das richtige Afrika habe ich doch glatt noch ein Klischee vergessen. Kein Problem! Hol’ ich sofort nach!

Mit Afrika verbindet man immer das Animalische. «Animalisch» kann einerseits für ein klischeehaftes triebgesteuertes Verhalten von Afrikanern stehen, andererseits aber auch für eine besondere Verbindung zwischen Afrikanern und der Tierwelt. Außerdem ist Afrika ja der wilde Kontinent, auf dem ganz, ganz viele wilde Tiere leben.

Animal Instinct

Animals playing Soccer

Klischeehaft, aber schön.

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Am Wochenende bin ich mal wieder auf etwas Elementares hingewiesen worden: Als Afrikanist hat man in Südafrika nichts zu suchen. Denn Südafrika ist schließlich nicht das «richtige» Afrika. Wäre das Land am Kap das richtige Afrika, dann hätte es wohl nicht den Zuschlag für die Weltmeisterschaft bekommen. Zu gefährlich und unheimlich ist es da.

Das Bild Afrikas wurde über Jahrhunderte zumeist negativ geprägt. Der Schwarze Kontinent stellt in unserer Auffassung einen Gegenentwurf zu unserem Europa dar. Dort geht alles ungeordnet, ja chaotisch zu, Afrikaner sind faul und triebhaft und essen Dinge, bei denen sich der Magen eines Zivilisierten umdreht. Kriege, Hunger und Krankeiten runden das Bild ab.

Möglichst schlimm sollte es sein

Aufgrund der Medienberichterstattung dürfte sich das Bild von Afrika auch in Zukunft nur marginal ändern. Das Problem ist, dass sich die Medien vordergründig auf die Ks konzentrieren: Krankheiten, Krisen, Korruption, Kriminalität… In der Wahrnehmung der meisten Europäer ist Afrika ein wilder und unbändiger Kontinent; und das Bild wird fortlaufend bedient. Das hat zur Folge, dass weitere Meldungen über Afrika einen bestimmten Nachrichtenwert haben müssen, der durch das gefestigte Bild quasi vorgegeben ist: Bad news are good news. Je schlimmer, desto besser. Insbesondere weil Auslandskorrespondenten aus verschiedenen Erdteilen in den Redaktionen um Beachtung zu buhlen haben, müssen die Storys möglichst spektakulär sein, um es ins Blatt zu schaffen. Wenn z.B. der Spiegel 30 Seiten für die Auslandsberichterstattung reserviert, sich aber gerade der erste Schwarze anschickt, Präsident der USA zu werden, dann haben es andere Journalisten deutlicher schwieriger ihre Geschichten zu platzieren. Rein kommt nur, wer die Geschichte mit dem besten Nachrichtenwert bietet.1

Mein Lieblingsland ist viel afrikanischer als deines!

Unter den Umständen mag ich fast verzeihen, wenn Otto-Normal-Verbraucher an EIN richtiges Afrika glaubt, oder davon ausgeht, dass Südafrika ja eigentlich gar nicht richtig afrikanisch sein kann. Schließlich hört man von dem Land häufig nur im Zusammenhang mit Naturdokus und Urlaub. Vielleicht mag man noch verzeihen, dass jemand stock und steif behauptet, noch nie in Afrika gewesen zu sein, dann aber bestätigt, dass er schon mal Urlaub in Ägypten und/oder Marokko gemacht hat. Allerdings kommt die Behauptung, dass etwa Südafrika gar nicht afrikanisch sei, häufig von Afrikanistikstudenten, also Leuten die eigentlich mehr Ahnung haben sollten. Fragt man solche Personen, was denn so richtig afrikanisch ist, kommen die üblichen Verdächtigen wie Kenia, Tansania oder Burkina Faso. Sind solche Länder wirklich so viel afrikanischer, nur weil sie womöglich eine schlechtere Infrastruktur haben, die Menschen eventuell einer stärke Laissez-faire-Haltung leben und man bei einem Auslandsaufenthalt weit und breit der einzige Mzungu ist? Man mag die Auffassung haben. Richtig ist die Schlussfolgerung aber noch lange nicht.

Afrika ist ein Kontinent mit mehr als 50 Staaten, rund einer Milliarde Menschen und über 2000 verschiedenen Sprachen. Wenn wir uns schon das Recht rausnehmen, von kulturellen Unterschieden innerhalb Deutschlands zu sprechen, warum sollte Gleiches nicht auch für Afrika gelten? Von einem homogenen Afrika zu sprechen verbietet sich quasi von selbt. Andere Länder auszuschließen, nur weil sie auf dem ersten Blick untypisch sind, auch.

Wenn Afrikanisten Südafrika nicht als richtiges Afrika ansehen, dann zeigt das nur deren Unwissenheit. Südafrika ist genauso «chaotisch» wie das vermeintlich «richtige» Afrika, Südafrika ist genauso bunt, wie wir uns Afrika immer vorstellen und das Land am Kap hat mit denselben Problemen zu kämpfen wie das «richtige Afrika»: Krankheiten, Krisen, Korruption, Kriminalität…

Ich weiß nicht, ob die allgegenwärtige Ignoranz gegenüber Afrika trotz des Studiums im Allgemeinen bzw. der Afrikanistik im Besonderen prinzipiell nicht abnehmen will, oder ob sich die Studenten einfach in der Rolle des zivilisierten Europäers gefallen, der dem unzivilisierten Afrikaner helfen will. Vielleicht ist die Afrikanistik aber auch nur nicht spannend genug, wenn man nicht in einem strukturell rückständigen oder zu Europa ganz grundsätzlich unterschiedlichen afrikanischen Land war. Südafrika, das vergleichsweise fortschrittlich ist, will in ein solches Bild nicht recht passen. Vielleicht fehlt den betreffenden Personen einfach nur eine Legitimation für das Studium der Afrikanistik, wenn man sich mit einem Land befasst, dass irgendwie europäisch ist.2

Portugal ist quasi auch ein Nachbarland von Deutschland

Momentan überwiegen ganz sicher die positiven Berichte über Südafrika und das wird sicher auch noch einen Monat so weiter gehen. Geschuldet ist dies der WM-Berichterstattung. Plötzlich steigt die Relevanz südafrikanischer Themen, wobei nach meiner Einschätzung meistens einfach nur der Bezug zur WM ausschlaggebend ist. An afrikanischen Stereotypen kommen die Journalisten freilich nicht vorbei. So berichtet die FAZ über einen «Medizinmann», der für den Erfolg bei Fußballspielen Zaubertränke, so genannte Muti, mischt. Die Süddeutsche Zeitung und andere Medien schreiben eine Massenpanik bei einem Fußballspiel herbei, bei der 15 Menschen zum Teil schwer verletzt worden sein sollen. «Zum Teil schwer verletzt» meint, dass eine Person schwere physische Schäden erlitten hat.

Und als Togos Nationalmannschaft in Angola auf ihrem Weg zum Africa Cup angegriffen wurde, brachen die deutschen Medien eine Debatte über die Sicherheit während der WM in Südafrika vom Zaun. Zusammenhang zwischen Vorfall und Sportereignis? Offentsichtlich nur, dass Angola irgendwo da unten, auf diesem Kontinent da, na, Dingens halt… Die Zeit versucht sich in einer geographischen Einordnung und scheitert grandios. «In fünf Monaten», so schreibt die Zeitung nach dem Angriff in Angola, finde «im Nachbarland Südafrika die erste Fußballweltmeisterschaft auf afrikanischem Boden» statt. Blöd, dass sich der Angriff nicht nur an der Nordgrenze Angolas ereignete, sondern sich südlich erst noch die Länder Namibia und und Botwana anschließen, bevor überhaupt Südafrika kommt. So gesehen dürfte Südafrika ja doch afrikanisch genug sein, um solch absurde Diskussionen und stereotypen Berichte auszulösen.

Obwohl ich die Auswirkung der WM auf die Wahrnehmung Südafrikas als zu gering einschätze, wünsche ich mir, dass das Sportereignis glatt und zufriedenstellend über die Bühne geht und das Land positiv in Erinnerung bleibt. Vielleicht zeigt Südafrika aber auch ein bisschen was von seiner afrikanischen Seite, damit die westliche Welt den Eindruck gewinnt: Diese Leute sind chaotisch, aber symphatisch.

  1. Um nicht zu sehr ins Detail zu gehen, empfehle ich zur weiteren Lektüre ein Dossier vom Netzwerk Recherche: «Der Trend geht zum Generalisten und Feuerwehrmann». Ein Dossier zum Zustand der deutschen Auslandsberichterstattung. Verfasser ist der Journalist Lutz Mükke, der zum Thema Auslandsberichterstattung mit Schwerpunkt auf Afrika promoviert hat.
  2. Schlimmer finde ich da nur noch pelzige Afrikanistik- oder Ethnologiestudenten, die demonstrativ barfuß rumlaufen und afrikanische Gerichte prinzipiell mit den Fingern essen. Weil das ja auch so richtig afrikanisch ist.
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6 Jun 2010

2 much Krüger

(Kategorie: Textbeiträge)

Ein Zeit-Artikel befasst sich mit einer der neun WM-Städte, nämlich Pretoria. Es geht u.a. um das Groenkloof Nature Reserve, das von Paul Kruger zum Naturpark ernannt wurde. Die Zeit schreibt die Ernennung aber jemand ganz anderem zu:

Hardy Krüger ist, die Älteren werden sich erinnern, deutscher Schauspieler. Vielleicht meint die Zeitung aber auch dessen Sohn Hardy Krüger jun.?

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28 May 2010

Medienlese Südafrika (4)

(Kategorie: Textbeiträge)
  1. «Migranten in Südafrika — Hau ab oder stirb!»
    (zeit.de, Bartholomäus Grill)

    «Südafrika ist, gemessen an seiner Einwohnerzahl von 47 Millionen Menschen, das derzeit größte Einwanderungsland der Erde. Von 850.000 Asylanträgen, die 2008 weltweit gestellt wurden, entfallen allein 200.000 auf die Kaprepublik – beinah ein Viertel. Vier Millionen Menschen sind seit dem Ende der Apartheid hierher geströmt, manche Schätzungen gehen von bis zu sechs Millionen aus.»

  2. «Der Vielfalt Südafrikas auf der Spur»
    (zeit.de, Fotos von Elena Koktanek)

    «Acht Fotografen aus Südafrika, Algerien, Madagaskar und Deutschland haben sich in Südafrika dem Thema Vielfalt angenommen. In Johannesburg suchten sie auf Märkten, auf der Straße und in Armenviertel nach Motiven. Die Berliner Fotografin Elena Koktanek erkundete mit zwei südafrikanischen Kollegen den Armenstadtteil Fietas.»

  3. «Puls der Nation messen»
    (das-parlament.de, Dagmar Wittek)

    In einem Interview berichtet der südafrikanische Karikaturist Zapiro über seine Rolle als Satiriker im demokratischen Prozess Südafrikas und die Auseinandersetzung mit dem Präsidenten. «Ich finde es besorgniserregend, dass der Präsident es für nötig hält, diverse Journalisten zu verklagen, dass es beim öffentlich-rechtlichen Sender SABC eine Zensur vor Veröffentlichungen gibt und dass der ANC darüber nachdenkt, ein Mediengericht aufzubauen.»

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