27 May 2010

Excuse my French!

(Kategorie: Fotobeiträge, Textbeiträge)

Als Kristin und ich in Kapstadt waren1, fanden wir in der Kalk Bay ein Café mit dem hübsch klingenden Namen «Excuse my French».

Das Foto hatte ich gemacht, weil ich den Namen und die überaupt nisch stereotype fronsösische Frosch so putzig fand. Die Bedeutung der Phrase fand ich erst später eher zufällig heraus, als ich in einem Blog rumstöberte, in dem sie einer wenig schmeichelhaften Äußerung vorangestellt war. Das fand ich komisch, also habe ich mal recherchiert.

Im englischsprachigen Raum nutzt man die Wendung, um sich gegenüber einem Kommunikationspartner für seine rüde Ausdrucksweise zu entschuldigen. So kann man etwa sagen: «Excuse my French, but he is an asshole». In Fernsehausstrahlungen wird sie genutzt, um eigentlich nicht ganz so groben Äußerungen größeren Ausdruck zu verleihen. Anscheinend stammt die Wendung aus einer Zeit französisch-britischer «Reibereien». Für die Briten war alles Unanständige irgendwie französisch: fluchen, vulgäres Rumknutschen und auch Geschlechtskrankheiten…2 Also sagte man nicht «Pardon me», um sich für solche Unanständigkeiten zu entschuldigen, sondern «Excuse my French».3

«Excuse my French» oder auch «Pardon my French» passt, wie ich finde, prima zu den negativ besetzten Begriffen im Zusammenhang mit Holländern. Vielleicht gelingt es mir ja, «Pardon my French, but he is so dutch» zu etablieren. Oder besser: «He is so dutchy». Klingt fast wie «dodgy».

Im Nachhinein ärgere ich mich, dass ich nicht auf die Idee gekommen bin, mal nachzufragen, was es mit dem Café auf sich hat. Für Menschen, die diese Wendung schon kennen, dürfte sie sich als Bezeichnung für eine derartige Einrichtung ziemlich seltsam anhören. Als ich an dem Café vorbei lief, kannte ich die Wendung zwar noch nicht. Allerdings war ich auch kurz drin und sah die Speisekarte mit der freundlichen Bitte, man möge doch bitte Französisch lernen. Dies sei nämlich einfacher, als einen Englisch sprechenden Franzosen zu verstehen.

  1. Ja ja, den Beitrag schulde ich der Allgemeinheit immer noch.
  2. Die Bezeichnung «Franzosenkrankheit» kenn ich zumindest auch aus dem Deutschen.
  3. Ich bin ziemlich sicher, dass man sich für sein Franzosenkrankheiten nicht entschuldigt (hat). *g*
Toll? Dann teile es doch! Auf Facebook teilen Auf Twitter teilen Auf Delicious teilen
25 May 2010

It’s Ayoba time!

(Kategorie: Textbeiträge, Videobeiträge)

Ich mache mir immer noch nicht viel aus Fußball.1 Aber die WM in Südafrika hätte ich doch schon gern vor Ort erlebt. Ich habe ja gelegentlich durchblicken lassen, dass Südafrikaner wissen, wie man feiert und entspannt. Bei der WM wird das nicht anders sein.

Ich kann mir vorstellen, dass die Weltmeisterschaft in Südafrika noch mal mehr Spaß macht als die WM 2006 in Deutschland.2 Blöd nur, dass ich die erste WM auf afrikanischem Boden nur in Deutschland verfolgen kann. Hoffentlich spielt wenigstens das Wetter mit. Dann bin ich sicher wieder auf irgendeinem Public-Viewing-Platz zu finden.

Passend zur WM habe ich hier ein paar Werbespots, die mir sehr gut gefallen und bei denen ich gedanklich sofort wieder in Südafrika bin. Zuerst einen schönen Gänsehaut-Spot, der für Südafrika und die WM wirbt:

«The beautiful game meets our beautiful country»

Immer, wenn ich Vuvuzelas höre, muss ich schlagartig an Südafrika denken. Woran das wohl liegt?

MTN-Werbespot — «It’s Ayoba time!»

Folgenden Spot habe ich sicher schon zehn Mal gesehen. Tränen habe ich aber immer noch in den Augen.

MTN-Werbespot — «We can’t wait»

Wer’s akkustisch oder sprachlich nicht versteht: Der Vater bringt dem Sohn ein Fan-Lied bei, in dem sich die Briten dafür feiern, dass sie zwei Weltkriege und eine Weltmeisterschaft gewonnen haben. Vor dem Fahrstuhl stehend versichert er dem Kind, dass sie sie, also uns, hinwegfegen würden. Im Fahrstuhl kommt Sohnemann nur bis «Two World Wars…»

Ayoba ist übrigens zurzeit ein Trendwort in Südafrika. Zu Beginn meines Afrikaaufenthaltes hatte ich es noch gar nicht gehört. Ungefähr Ende Dezember fiel mir Ayoba als Teil der MTN-Werbekampagne verstärkt auf. Ayoba kann im Grunde alles heißen, solange es nur positiv ist. Ist irgendwas doof, dann gilt: That’s not Ayoba. Bei Twitter hat sich eine beschwert: «Power cuts on a Friday evening – that is so not Ayoba». Da hat die Gute aber recht. Stromausfälle an einem Freitagabend sind wirklich alles andere als Ayoba.

Hoffentlich vermasselt der südafrikanische Stromanbieter Eskom, der laut Eigenaussage 95 Prozent des südafrikanischen und sogar 45 Prozent des afrikanischen Stromverbrauchs abdeckt, nicht die Versorgung während der WM. Die Südafrikaner würden vermutlich ihre Ayobaness über Bord werfen. Hoffen wir einfach das Beste.

Say Ayoba!

  1. Darf ich das eigtl. so freimütig zugeben? So als Deutscher? Als Schwarzer? Kauft mir das überhaupt jemand ab?
  2. Darf ich das jetzt sagen? So als Deutscher?
Toll? Dann teile es doch! Auf Facebook teilen Auf Twitter teilen Auf Delicious teilen
21 May 2010

Such!

(Kategorie: Textbeiträge)

Hier meine derzeitigen Favoriten der Suchbegriffe, mit denen User auf meine Seite gekommen sind:

  • abartige spinne: Jetzt bloß nicht kotzen!!
  • “deutsche touristen” benehmen -anständig: Wer es nicht versteht: Da hat jemand nach deutschen Touristen gesucht (vermutlich Erfahrungsberichte), die sich nicht benehmen. Dabei sind doch Holländer viel schlimmer!
  • mutterspinne mit kindern: Aber gern doch!
  • südafrikanisch wörterbuch: Hahaha, so langsam ein Klassiker. Zum Glück suchte keiner nach einem Afrikanisch-Wörterbuch.
  • blowjob überfahren: Mir fehlt ehrlich die Fantasie.
  • fuck afrika: Ich dachte immer, dazu geht man nach Thailand??? War das jetzt eigtl. fernab jeder PC?
  • spinnen in deutschland: In meinem Blog geht’s doch vorrangig um Südafrika. Deutsche Ekelspinnen haben da keinen Platz!
  • lichthupe südafrika: Ich sollte vielleicht endlich mal erklären, wozu die Lichthupe in Südafrika überhaupt gut ist.
Toll? Dann teile es doch! Auf Facebook teilen Auf Twitter teilen Auf Delicious teilen

Neulich rief eine Kundin an. Sie wolle sich ein Paket aus den USA zusenden lassen und das ganze per Vorkasse via Western Union zahlen. Wie sicher das denn sei, wollte sie von mir wissen. Bei Vorauszahlungen jedweder Art mittels Bargeldtrasfer schrillen bei mir ja immer schon die Alarmglocken.

Zurzeit hasse ich meinen Job. Nicht nur weil ich gedanklich immer noch in Afrika festhänge und das Wetter in Deutschland einfach nur das Letzte ist, sondern weil die Kunden (nicht nur gefühlt) viel aggressiver geworden sind. Aber Anrufer wie die Ara-Tante zaubern mir gelegentlich ein Lächeln ins Gesicht.

Nachdem ich die Kundin über die Risiken einer derartigen Transaktion aufgeklärt hatte, erzählte sie mir mehr von der «Ware»: Ersteigert hatte sie zwei Ara-Papageien für insgesamt 200 Euro. Der Verkäufer wollte via Western Union bezahlt werden. Und zwar pronto! Innerhalb von zwei Tagen sollte das Geld zur Abholung bereitstellen. Der Verkäufer sei schließlich Tierfreund. Weil es für die Tiere eine Zumutung wäre, so lange irgendwo rumzustehen, würde er da Paket (!) wieder abholen, falls das Geld nicht da sei. Jenes Paket habe er nämlich schon zur Abholung bereitgestellt, damit alles ganz schnell gehen könne, wenn das Geld erst mal angekommen sei.

Fassen wir mal zusammen:

  1. Bezahlt werden sollte per Vorkasse via Western Union, wodurch das Geld auf Nimmerwiedersehen verschwinden würde.
  2. Es wurde zeitlicher Druck aufgebaut.
  3. Zwei Aras gab es für den Spotpreis von 200 Euro.
  4. Die Aras würden zwei Tage als Paket irgendwo rumstehen.
  5. Das Paket wird von den USA nach Deutschland geschickt.

Wie konnte die Kundin nur an der Redlichkeit der Geschäftsbeziehung zweifeln?

Toll? Dann teile es doch! Auf Facebook teilen Auf Twitter teilen Auf Delicious teilen
16 May 2010

Medienlese Südafrika (3)

(Kategorie: Textbeiträge)
  1. «F… wie Fifa»
    (zeit.de, Bartholomäus Grill)

    «Besonders verhasst sind Blatter und seine Junta bei den Hawkers, den fliegenden Händlern, die die Schlachtenbummler mit Speis und Trank und Fanartikeln versorgen, seit am Kap Fußball gespielt wird. Die Fifa schützt ihre milliardenschweren Sponsoren, deshalb darf außer ihnen niemand die Symbole, Slogans und Logos des Weltcups verwenden. Selbst das WM-Jahr ist tabu.»

  2. «Der Terror der ‹Roten Ameisen›»
    (taz.de, Martina Schwikowski)

    «Vor der Fußball-WM verjagen private Sicherheitsangestellte illegale afrikanische Flüchtlinge in Johannesburg. Deren Behausungen sind im Griff von Gangstern.»

  3. «Risse im Regenbogen — Südafrikas unsichere Zukunft»
    (SWR-Auslandsreporter, Richard Klug, Video)

    «Wenige Wochen vor dem Anpfiff zur ersten Fußball-Weltmeisterschaft auf afrikanischem Boden gehen die Menschen in Südafrika auf die Barrikaden. Sie protestieren gegen unfähige und faule Kommunalbeamte. Vor allem in den Townships, jenen allgegenwärtigen Elendsvierteln der Regenbogennation, funktioniert oft nichts. Kein Wasser, kein Strom, keine Müllabfuhr.»

  4. «Fähnchen im Wind»
    (Coffee and TV, Lukas Heinser)

    «Als ich hörte, dass ‹Wavin’ Flag› die Hymne der Fußball-WM werden soll, dachte ich: ‹Geil. Endlich mal nicht so ein aufgedrückter Mist wie Anastacia›. Nun ja: ‹Wavin’ Flag› ist der Werbesong eines Limonadenherstellers, der weder mit Afrika noch mit Fußball sonderlich viel am Hut hat. Aus dem Text wurden die allermeisten Verweise auf Armut, Hunger und Krieg getilgt, jetzt wird nur noch lustig gefeiert.»

Toll? Dann teile es doch! Auf Facebook teilen Auf Twitter teilen Auf Delicious teilen