8 Aug 2011

Mein Lesesommer

(Kategorie: Textbeiträge)

Das Wetter in Leipzig ist zurzeit wirklich das Letzte. Es gibt kaum mal zwei Tage am Stück, an denen die Sonne scheint und es schön warm ist. Wahrscheinlicher ist, dass es regnet und regnet und regnet. Genau wie letztes Jahr. Eine gute Gelegenheit, mal wieder die Nase in ein Buch zu stecken.

Kap der Finsternis, In the Footsteps of Mr Kurtz, Das Imperium der Schande, War Junkie, The Bang Bang Club, Handschlag mit dem Teufel
Bücher für einen verregneten Sommer

Weil ich mir schon länger kein Buch mehr gekauft hatte, habe ich diesmal nach Empfehlungen u. a. via Twitter gefragt. In der Hoffnung, gute Titel genannt zu bekommen, gab ich keine thematischen Einschränkungen. Aus der Fülle an Büchern, die mir empfohlen wurden, habe ich mir vorerst sechs ausgesucht. Die Beschränkung hier war natürlich wieder das liebe Geld. Studenten.

Kap der Finsternis
Tatsächlich der einzige Roman, den ich mir gekauft habe, was aber vor allem daran lag, dass die empfohlenen Romane doch recht teuer sind. Roger Smith ist der Krimibuchautor, der mir im Zusammenang mit Südafrika am häufigsten genannt wird. In dem Buch taucht ein amerikanischer Glücksspieler mitsamt Familie in Kapstadt unter. Als Gangster in sein Haus eindringen, beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel mit einem korrupten und rassistischen Polizisten, das geradewegs in die Cape Flats führt.

In the Footsteps of Mr Kurtz
Die Korrespondentin Michaela Wrong befasst sich in ihrem Buch mit Aufstieg und Fall von Mobutu Sese Seko, der 32 Jahre Diktator von Zaire, dem heutigen Kongo, war. Während seiner Kleptokratie soll der Leopardenmann, wie er sich gern nennen ließ, fünf Milliarden US-Dollar abgezweigt haben.

Das Imperium der Schande
Noch ein Sachbuch, diesmal von Jean Ziegler, u. a. Globalisierungskritiker und ehemaliger UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung. Ziegler kritisiert hier transnationale Konzerne, deren Macht auf dem Hunger und der Verschuldung der Entrechteten dieser Erde basiere.

War Junkie
Das Buch des britischen Kameramanns Jon Steele bietet eine subjektive Betrachtung von Kriegsgebieten, die er mit seiner Kamera besuchte. Untertitelt ist das Buch mit One man’s addiction to the worst places on Earth. Entsprechend finden sich Passagen über Konfliktregionen wie Ruanda (Völkermord) und Sarajevo (Sniper Alley).

The Bang Bang Club
Geschrieben wurde das Buch von Greg Marinovich und Joao Silva, zwei der vier Mitglieder des sogenannten Bang Bang Club. Die vier Fotografen machten insbesondere zwischen 1990 und 1994 Bilder in den südafrikanischen Townships. Ein Mitglied des Clubs wurde von einer umherfliegenden Kugel niedergestreckt, der andere, wohl bekanntere Fotograf, nahm sich das Leben nur wenige Wochen, nachdem er den Pulitzer-Preis für ein schockierendes Foto erhielt.

Handschlag mit dem Teufel
Das Buch, geschrieben von Roméo Dallaire, dem Kommandanten der Blauhelmtruppe Unamir, befasst sich mit dem ruandischen Völkermord im Jahre 1994, bei dem die UN-Truppe dazu verdammt war, zuzuschauen, wie innerhalb kürzester Zeit mehr als 800.000 Menschen getötet wurden.

Wenn ich die Bücher geschafft habe, werde ich dazu jeweils eine Kritik verfassen. Andere Empfehlungen, die ich mir bisher nicht gekauft habe, die aber recht interessant zu sein scheinen:

  • Moxyland
  • Die stille Gewalt der Träume
  • Slow Man
  • Summertime
  • Deutschboden
  • When the Killing’s done
  • Wieder ein Tag Leben
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Wenn man sich in der deutschen Öffentlichkeit ins Aus katapultieren will, dann muss man nur irgendjemanden mit Hitler vergleichen. Politiker bemühen ja gern so einen Vergleich, machen dann aber schnell einen Rückzieher, indem sie schwören: Mein Fehler, alles gar nicht ernst gemeint, kommt nie wieder vor. Südafrikaner sind da wohl nicht so zimperlich.

Südafrikas Politik zofft sich ja schon seit einer Weile, ob die Minen des Landes verstaatlicht werden sollen. Befürworter behaupten, der Staat würde mehr Verantwortung für die Armen und die Arbeiterklasse zeigen, Kritiker sind dagegen, weil sie fürchten, der ANC würde die Minen nur als weitere zu plündernde Einnahmequelle ansehen.

Die Politiker sind ja nich so sehr verkrampft, wenn es darum geht, sich mal ordentlich die Meinung zu geigen (= Beleidigungen an den Kopf zu hauen). So werden unliebsame Opponenten gern mal als Kommunisten bezeichnet, oder, um ein bisschen Niveau-Limbo zu veranstalten, als Ratten, Kakerlaken oder Hunde. Bezüglich des Streits um die Minen ist mir aber eine witzige Bezeichnung untergekommen: mine kampf, eine deutliche Anspielung auf Adolf Hitlers Pamphlet Mein Kampf.

Das passt natürlich besonders gut zu dem Hinweis Blade Zimandes, seines Zeichen Generalsekretär der kommunistischen Partei SACP, dass auch Hitler (genau wie Fidel Castro) zum Instrument der Verstaatlichung gegriffen hatte.

Politiker…

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23 Jul 2011

Apartheidsmuseum

(Kategorie: Fotobeiträge, Textbeiträge)

Während der südafrikanischen Apartheid wurde die Vormachtsstellung einer weißen Minderheit auf Kosten der nichtweißen Bevölkerung mittels vieler Gesetze gefestigt. Das Apartheidsmuseum in Joburg macht den institutionalisierten Rassismus und dessen Einfluss auf die Gesellschaft greifbar.

Eingang zum Apartheidsmuseum in Johannesburg

Eingang zum Apartheidsmuseum

Bis 1994 sollte es dauern, bis das unmenschliche System der Apartheid überwunden sein würde. In dem Jahr durften erstmals alle Südafrikaner, gleich welcher Hautfarbe, wählen und Nelson Mandela ging als erster demokratisch legitimierter Präsident hervor. In den Jahrzehnten davor wurde das rassistische System, das 1948 eingeführt worden war, durch viele Gesetze gestärkt und verfeinert. Es galt, die Vormachtsstellung der Weißen zu sichern und die Nichtweißen auf den ihnen zugedachten Platz zu verweisen.

Die Restriktionen waren mannigfaltig. Passgesetze, die erlassen wurden, um den Bewegungsradius von Nichtweißen zu beschränken oder sie auf Schritt und Tritt zu kontrollieren, Segregation ganzer Wohngebiete, die sich auch heute noch in der Wohnstruktur nieerschlägt (Soweto z.B. ist schwarz, während an meinem damaligen Wohnort Linden faktisch nur Weiße leben), oder das Verbot gemischtrassiger Ehen: nur wenige Beispiele, die zeigen, dass es keinen Lebensbereich gab, der nicht irgendwie eingeschränkt wurde.

Im Apartheidsmuseum kann man einen ungefähren Eindruck bekommen, was genau diese Eingriffe für die Menschen bedeuteten. In vielen Fotografien, aber auch in Filmen und Texten, zeigen sich die Auswirkungen und auch Absurditäten des Alltags. Ich erinnere mich etwa an eine Fotografie eines Strandes. An dem Strand tummelten sich lauter Weiße, ein Schild informierte, dass der Zutritt für Schwarze verboten sei. Jedoch kam eine weiße Familie nicht ohne ihre Maid aus, die selbstredend schwarz war und den Weißen die Sachen hinterher trug. Nicht gerade konsequent.

Rassistische Gesetze, die den Alltag regelten

Rassistische Gesetze, die den Alltag regelten

Das Museum ist so aufgebaut, dass man die Apartheid von den Anfängen bis zum Ende erleben kann. Besonders spannend ist gerade die Endphase, als sich die Herrscher ein letztes Mal aufzubäumen versuchten. Gerade hiervon gibt es einiges Videomaterial. Man kann recht gut nachvollziehen, wie es zu den Verhandlungen zwischen der Regierung und dem ANC kam, aber auch, wie gerade die rassistische Vereinigung AWB versuchte, einen Einigung und die ersten freien Wahlen zu sabotieren, z.B. mit Bombenanschlägen oder der Stürmung des Gebäudes, in dem die Verhandlungen zwischen der damals regierenden National Party und dem African National Congress, der später mit einer überwältigenden Mehrheit die Regierung übernehmen sollte, stattfanden.

Als ich damals im Museum war, gab es ganz zum Schluss eine wundervolle Ausstellung meines Lieblingskarikaturisten Zapiro, der ja seit Ende der 80er tollste Karikaturen anfertigt und gut die Entwicklungen der südafrikanischen Gesellschaft widerspiegelt und bissig kommentiert. Nicht immer zum Vergnügen der Machthaber, wie die anhängige Klage des südafrikanischen Präsidenten zeigt. Mit der Ausstellung – falls es die noch gibt – schafft das Apartheidsmuseum geschickt den Sprung von der Vergangenheit in die Gegenwart.

Der Besuch des Museums ist auf jeden Fall Pflicht. Geöffnet ist immer zwischen 9 und 17 Uhr, der Eintritt kostet 55 Rand, ermäßigt 40 Rand.

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Obwohl ich ein Fan von Südafrika bin, bin ich natürlich auch für andere Länder zu haben. Gerade dann, wenn sie schöne Bilder versprechen. Mit dem Fotoblog 11-300mm.de kann man sich auf eine schöne Reise begeben, u. a. nach Namibia und Oman.

cc-by-nc: 11-300mm.de
Namibische Dünen in der Nähe des Sossusvlei
Namibische Dünen in der Nähe des Sossusvlei

Als ich mal wieder in der sehr empfehlenswerten Reisedepesche vom Klys rumstöberte, bin ich auf einen wundervollen Fotoblog gestoßen, der locker mit der Reisedepesche mithalten kann. 11-300mm.de publiziert eine Menge Fotos, die bei Reisen in verschiedenen Ländern entstanden sind. Anscheinend ist die Familie, die hinter dem Blog steht, dem 4×4 und südlichen Afrika verfallen. Neben Fotos aus Namibia, Botsuana und Südafrika finden sich aber auch Bilder aus Oman und Marokko.

Ich konnte mich gar nicht so richtig entscheiden, welche Bilder ich als Beispiele wählen sollte. Die meisten sind wirklich richtig gut geworden. Für die Leute, die es interessiert, werden sogar die Bilddaten, inkl. des Standortes des Fotos auf Google Maps, ausgegeben. Ich kann mir vorstellen, dass man mit diesen Daten sicher ein paar Anhaltspunkte hat, wie die Bilder so hübsch geworden sind. Natürlich spricht da der Laie aus mir, mit Fotografie hatte ich ja bisher noch nicht so viel am Hut. Aber spannend ist das Thema für mich auf jeden Fall.

cc-by-nc: 11-300mm.de
Große Sultan-Qabus-Moschee in Oman
Große Sultan-Qabus-Moschee in Oman

Kleiner Tipp: Die Kommentarfunktion zu den Bildern ist ein wenig versteckt. Will man ein einzelnes Bild kommentieren, dann muss man unter der entsprechenden Abbildung auf einen nach links zeigenden Pfeil klicken. Danach öffnet sich das Feld.

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20 Jul 2011

Zu viele Hörnchen

(Kategorie: Fotobeiträge, Textbeiträge)

Das Krugersdorp Game Reserve im Westen Joburgs ist eher nicht mein Fall: zu wenig große Tiere, ein recht ödes Areal, aber Nager bis zum Abwinken. Erdhörnchenpark wäre eine bessere Bezeichnung.

Neugieriges Erdhörnchen im Krugersdorp Game Reserve
Futter? Hörnchen gucken immer ganz doof, wenn man den Finger aus dem Auto streckt

Versteht mich nicht falsch. Ich finde Hörnchen aller Art voll cool. Schuld sind wahrscheinlich Chip und Chap, die damals, als ich noch ein Jungspund war, über den Bildschirm flimmerten und für Gerechtigkeit sorgten. Aber was zu viel ist, ist zu viel. Das gilt für Zebras ebenso wie für Erdhörnchen. Im Krugersdorp Game Reserve gab es von letzteren so viele, dass die Betreiber mal über eine Umbenennung nachdenken sollten. Squirrel Park klingt ganz hübsch.

So niedlich die Dinger auch waren, bin ich von dem Park eher enttäuscht. Er kann auf keinem Fall mit dem Lion Park und schon gar nicht mit dem Rhino & Lion Nature Reserve mithalten. Die Tierauswahl und auch die Menge an Tieren sind ziemlich beschränkt und das Gelände ist eher öde. Ich war damals auch noch an einem Tag in dem Park, als echt eine Affenhitze war. Da ging mir das Unterangebot gleich doppelt so stark auf den Keks. Und dann versuchte der Typ am Eingang mich gleich zweimal hintereinander ums Rückgeld zu bescheißen. So doof sehe ich doch nun wirklich nicht aus.

Den Park kann man sich getrost sparen. Dennoch habe ich hier ein paar nette Bilder, die meisten eben von Nagern, aber ‘n cooler Vogel ist auch dabei.

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