27 Sep 2011
Buchkritik

Kap der Finsternis

(Kategorie: Textbeiträge)

Roger Smiths Roman ist ein blutiger Thriller, der in die Kapstädter Unterwelt abtaucht und dabei einen Spur von Leichen hinterlässt. Das Buch zeichnet ein düsteres und blutrünstiges Bild von der Touristenstadt. Während die einen Urlaub machen, kämpfen andere ums Überleben.

Roger Smith: Kap der Finsternis
Schmutziger Kriminalroman aus Südafrika: Kap der Finsternis

Viel Gewalt erfährt der Leser in dem Buch über eine amerikanische Familie, die nach Kapstadt geflohen und untergetaucht ist. Warum sie untertauchen musste, wird anfangs nicht enthüllt. Klar ist jedoch, dass Jack Burn, Oberhaupt der Familie und ein Glücksspieler, ein Verbrechen begangen haben muss. Susan, dessen Frau, bemüht sich nach Kräften, ihren Mann zu verachten. Selbst das gemeinsame Kind muss unter dem angespannten Verhältnis leiden, weil der Junge die Mutter zu sehr an den Vater erinnert. Und dann wird sie auch noch mal schwanger.

In dieses angespannte Verhältnis der Hills, wie sich die Burns in Kapstadt nennen, platzen zwei Kriminelle, die eines Abends wegen der Hoffnung auf etwas Bares und Wertsachen in das Haus eindringen, als die Familie zu Abend isst. Der Coup geht schief, die beiden Gangster müssen sterben. Und es passiert, was Burn vermeiden wollte: Er erregt Aufmerksamkeit und muss fürchten, enttarnt zu werden.

Wenngleich schon auf den ersten Seiten Menschen umgebracht werden, dauert es, bis die Geschichte in Fahrt kommt. Geschuldet ist das vor allem der Erzählweise Smiths. Zu oft wird der Erzählfaden unterbrochen. Zu schnell und zu abrupt sind die Schnitte. Kaum hat man als Leser angefangen, den korrupten Bullen Gatsby, der Jagd auf die Hills macht, zu hassen, verlässt Smith den unappetitlichen, stinkenden Fettsack und wendet sich einem anderen Ort und anderen Personen zu.

Dennoch gelingt es Smith im Laufe des Buchs die Spannung zu steigern. Irgendeiner hat immer eine Rechnung zu begleichen. Sei es Gatsby, der mit bürgerlichem Namen Rudi Barnard heißt und mit Vorliebe fettige Gatsbies in sich reinstopft. Ein Relikt aus der Apartheid, höchst gottesfürchtig, aber auch kaltblütiger Mörder, der Richter und Henker in einer Person vereint. Oder Sonderermittler Disaster Zondi, dessen Aufgabe es ist, korrupte Polizisten zu überführen und der in einem früheren Leben ebenfalls auf Barnard traf und deshalb ein ganz besonderes Interesse daran hat, Gatsby zu erledigen. Oder gar Benny Mongrel, ein entstellter Wachmann, der Jagd auf den Bullen macht, weil dieser auf ihn schießt, mehr noch, dessen ohnehin schon lädierten Köder abknallt. Zu regeln gibt es viel.

Smith schildert auf beklemmende Weise, wie sich Hass in pure Gewalt entlädt, wie hemmungslos Täter vorgehen, um Zeugen zum Schweigen zu bringen, oder um Rache zu nehmen. Hier wird ein Profil von Tätern entwickelt, denen ein moralischer Kompass für ihre Taten fehlt. Quasi wegen nichts werden Menschen umgebracht. Der Roman ist ein Abbild des heutigen brutalen Südafrikas, das sonst nur in Statistiken und urbanen Legenden zum Vorschein tritt. Gerade Kapstadt als Handlungsort verführt dei Menschen eher zu Gedanken an Urlaub, Weinreisen und Strandbesuche. Die Gewalt, wie sie die Menschen gerade in den Cape Flats, einem gefährlichen Vorort Kapstadts, erleben, wird sonst nicht so deutlich. Hier jedoch tritt sie mit voller Wucht zutage.

Den größten Kritikpunkt, den ich bei Kap der Finsternis sehe, ist die Bezeichnung der Coloureds als Mischlinge. Ein Begriff, der aufgrund seiner negativen Bedeutung eigentlich obsolet sein sollte, es aber offenbar nicht ist. Selbst das Interview mit Smith am Ende des Buchs kommt ohne den Begriff nicht aus. Ich hoffe, dass in der geplanten Verfilmung (mit Samuel L. Jackson als Sonderermittler Zondi) auf derlei Vokabular verzichtet wird.

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8 Antworten zu „Kap der Finsternis“

  1. Stefan sagt dazu:

    Hört sich ein bißchen nach Deon Meyer in schwach an.

    Mit SLJ verfilmt zu werden, kann auf der anderen Seite aber auch nicht jeder von sich behaupten.

  2. Ali sagt dazu:

    Deon Meyer habe ich bisher nicht gelesen, steht aber auf meiner Liste. Dass sich Kap der Finsternis schwach anhört, könnte vielleicht auch nur an mir liegen, weil ich eher selten Rezensionen schreibe und daher noch nicht so geübt darin bin. ^^

  3. Stefan sagt dazu:

    Reingeguckt hätte ich aber so oder so mal, beim nächsten Buchladenbummel. :)

  4. Axel sagt dazu:

    Hej Ali,

    ich hab dich nich vergessen…

    ‘ne Reihe ‘unschreibbarer’ Ereignisse sind passiert, so dass ich doch noch nich zu ‘Mixed Blood’ nich gekommen bin. Deine Frage zu den ‘Coloureds’ habe nich vergessen…

    Roger Smith liegt nachwievor auf meinem Schreib- und Lesetisch

    ;-)
    Axel

  5. Ali sagt dazu:

    Unbeschreibbar schön oder schrecklich? Vater geworden (Kann sowohl schön als auch schrecklich sein)? :D

    Ich bin gespannt, was in dem Buch steht.

  6. africasore24.de sagt dazu:

    Das Buch kann ih nur empfehlen, wirklich spannend und gut zu lesen! :)

  7. afrikaroman.de sagt dazu:

    Nun ob es das Buch tatsächlich verfilmt wird, bleibt aubzuwarten. Auch Meyers «Das Herz des Jägers» sollte mit oben genannten Schauspieler verfilmt werden. Nun Hollywood wurde es zwar nicht, aber eine recht erfolgreiche südafrikanische TV-Serie ;-)
    Unsere Rezension zum Buch kann man übrigens hier: http://www.afrikaroman.de/buch/rezensionen/kap-der-finsternis.php nachlesen.

  8. And again: Meine fünf Buchvorsätze - Trollbar sagt dazu:

    [...] August. Im Jahr 2011. Na ja, dafür habe ich The Bang-Bang Club nun schon zum dritten Mal durch. Zu Kap der Finsternis hatte ich sogar ein paar Worte gefunden. Jean Zieglers Imperium der Schande hatte ich zwar auch [...]

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