Wem kommt nicht als erstes der Mord im Orientexpress
in den Sinn, wenn die Vokabel von einem Luxuszug fällt? Dabei geht es bei den heutigen Reisen mit einem derartigen Luxuszug gar nicht darum, Verbrechen aufzuklären oder gar Opfer eines solchen zu werden.
Einer der weltweit vielen, in Afrika aber seltenen Luxuszüge ist der Pride of Africa, der mindestens ein Mal pro Jahr die 6.000 Kilometer zwischen Tansanias Hauptstadt Daressalam und Kapstadt in Südafrika zurücklegt. Eben jener gilt — wenn man den Betreibern folgt — als luxuriösester Zug der Welt und zieht die entsprechende Klientel an.
Wer mit dem Pride of Africa reist will, muss in punkto Kleidung schon gewissen Standards entsprechen (Minimum bei Männern: Fliege und Jackett), im Gegenzug erhält er im historischen Stil der 1920er Jahre gestaltete Waggons, die holzgetäfelte Suiten mit Doppelbett, Dusche, Minibar und Klimaanlage bieten. Natürlich gehört auch eine exquisite Verpflegung an Bord zum Programm. Bei maximal 72 Passagieren, die in 36 Suiten untergebracht werden können, darf man zudem sicher sein, dass der Zug angenehm viel Platz für alle Mitreisenden bietet.
Legt der Zug auf seiner langen Reise einen Zwischenstopp ein, um seinen Gästen das Erkunden von Botswana, Simbabwe, Sambia, Tansania und nicht zuletzt Südafrika zu ermöglichen, werden die gut betuchten Gäste meist ebenso elegant empfangen. In Kapstadt wird gar schon mal der Rote Teppich ausgerollt.
Eines der Highlights ist die Passage der Victoriafälle, wo die Eisenbahnbrücke den Zug nur wenige Meter von den tosenden Wassermassen entfernt vorbeiführt; außerdem gehören Wildbeobachtungen dazu, viele alte Bahnhöfe und auch Übernachtungen in Wildreservaten. Oft wird nachts gar nicht gefahren. Das Tempo ist generell eher gemächlich. Hier ist schließlich der Weg das Ziel: die Erkundung des südlichen Afrikas. Das kann man am besten, wenn man nicht im ICE-Tempo durch die Landschaft rauscht, sondern den Augen Zeit gibt, die so unterschiedlichen Landschaften auf diesen 6.000 Kilometern zu erkunden.
Wo es möglich ist, wird der Pride of Africa von einer Dampflokomotive gezogen. Diese verbraucht dann mal eben 75 Kilogramm Kohle pro gefahrenem Kilometer. Zum originären Eisenbahnerlebnis gehört solch eine Dampflok aber natürlich dazu. Falls ein Einsatz nicht möglich ist, wird der Zug auf den anderen Streckenabschnitten von einer Diesel- oder Elektrolok gezogen.
Hierfür müssen die Loks jeweils gewechselt werden. Bei einem dieser Manöver kam es 2010 in der Nähe von Pretoria zu einem tragischen Unfall: Waggons hatten sich selbständig gemacht und waren entgleist, drei Menschen verloren bei der eigentlich als persönliches Highlight der Entspannung und Weiterbildung gedachten Reise ihr Leben.
Da dies bei dem sonst so sicheren Verkehrsmittel der einzige Unfall blieb, erfreut sich der Pride of Africa auch weiterhin großer Beliebtheit. Auch wenn Klientel und Reise sehr exquisit sind, gibt es doch einige Dokumentarfilme, die auch Otto-Normal-Verbaucher auf die Reise nehmen — wie z.B. das folgende Video, das mehr Lobpreisung als Dokumentation ist.
Die kürzeste Reisemöglichkeit kostet zwar nur 1100 Euro, allerdings fährt man dann auch nur zwei Tage mit. Entsprechend teurer sind die kompletten Reisen, die je nach Strecke zwischen 14 und 18 Tagen dauern. Aber nicht nur für Eisenbahnfans ist eine Fahrt mit dem Pride of Africa ein besonderes Erlebnis.
Dieser Beitrag stammt aus der Feder der Redaktion von Touring-Afrika.de, einem der größten deutschsprachigen Portale zum Schwarzen Kontinent, auf dem täglich aktuell rund um alle Länder Afrikas gebloggt wird. Außerdem dort zu finden: Reiseberichte und -empfehlungen sowie Tipps mit dem Blick für die interessanten Dinge abseits des Mainstreams.



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