23 Jul 2011

Apartheidsmuseum

(Kategorie: Fotobeiträge, Textbeiträge)

Während der südafrikanischen Apartheid wurde die Vormachtsstellung einer weißen Minderheit auf Kosten der nichtweißen Bevölkerung mittels vieler Gesetze gefestigt. Das Apartheidsmuseum in Joburg macht den institutionalisierten Rassismus und dessen Einfluss auf die Gesellschaft greifbar.

Eingang zum Apartheidsmuseum in Johannesburg

Eingang zum Apartheidsmuseum

Bis 1994 sollte es dauern, bis das unmenschliche System der Apartheid überwunden sein würde. In dem Jahr durften erstmals alle Südafrikaner, gleich welcher Hautfarbe, wählen und Nelson Mandela ging als erster demokratisch legitimierter Präsident hervor. In den Jahrzehnten davor wurde das rassistische System, das 1948 eingeführt worden war, durch viele Gesetze gestärkt und verfeinert. Es galt, die Vormachtsstellung der Weißen zu sichern und die Nichtweißen auf den ihnen zugedachten Platz zu verweisen.

Die Restriktionen waren mannigfaltig. Passgesetze, die erlassen wurden, um den Bewegungsradius von Nichtweißen zu beschränken oder sie auf Schritt und Tritt zu kontrollieren, Segregation ganzer Wohngebiete, die sich auch heute noch in der Wohnstruktur nieerschlägt (Soweto z.B. ist schwarz, während an meinem damaligen Wohnort Linden faktisch nur Weiße leben), oder das Verbot gemischtrassiger Ehen: nur wenige Beispiele, die zeigen, dass es keinen Lebensbereich gab, der nicht irgendwie eingeschränkt wurde.

Im Apartheidsmuseum kann man einen ungefähren Eindruck bekommen, was genau diese Eingriffe für die Menschen bedeuteten. In vielen Fotografien, aber auch in Filmen und Texten, zeigen sich die Auswirkungen und auch Absurditäten des Alltags. Ich erinnere mich etwa an eine Fotografie eines Strandes. An dem Strand tummelten sich lauter Weiße, ein Schild informierte, dass der Zutritt für Schwarze verboten sei. Jedoch kam eine weiße Familie nicht ohne ihre Maid aus, die selbstredend schwarz war und den Weißen die Sachen hinterher trug. Nicht gerade konsequent.

Rassistische Gesetze, die den Alltag regelten

Rassistische Gesetze, die den Alltag regelten

Das Museum ist so aufgebaut, dass man die Apartheid von den Anfängen bis zum Ende erleben kann. Besonders spannend ist gerade die Endphase, als sich die Herrscher ein letztes Mal aufzubäumen versuchten. Gerade hiervon gibt es einiges Videomaterial. Man kann recht gut nachvollziehen, wie es zu den Verhandlungen zwischen der Regierung und dem ANC kam, aber auch, wie gerade die rassistische Vereinigung AWB versuchte, einen Einigung und die ersten freien Wahlen zu sabotieren, z.B. mit Bombenanschlägen oder der Stürmung des Gebäudes, in dem die Verhandlungen zwischen der damals regierenden National Party und dem African National Congress, der später mit einer überwältigenden Mehrheit die Regierung übernehmen sollte, stattfanden.

Als ich damals im Museum war, gab es ganz zum Schluss eine wundervolle Ausstellung meines Lieblingskarikaturisten Zapiro, der ja seit Ende der 80er tollste Karikaturen anfertigt und gut die Entwicklungen der südafrikanischen Gesellschaft widerspiegelt und bissig kommentiert. Nicht immer zum Vergnügen der Machthaber, wie die anhängige Klage des südafrikanischen Präsidenten zeigt. Mit der Ausstellung – falls es die noch gibt – schafft das Apartheidsmuseum geschickt den Sprung von der Vergangenheit in die Gegenwart.

Der Besuch des Museums ist auf jeden Fall Pflicht. Geöffnet ist immer zwischen 9 und 17 Uhr, der Eintritt kostet 55 Rand, ermäßigt 40 Rand.

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3 Antworten zu „Apartheidsmuseum“

  1. Paul sagt dazu:

    I’ve never visited here Ali – and while on one hand I’d like to, on the other hand I fear that it may make me depressed, sad, and irritated, all at once.

    People sometimes suck.

    Thanks for the pics.
    Perhaps I’ll visit some day.

  2. Ali sagt dazu:

    I wasn’t depressed, Paul, but shocked at two sections. One was the part on the AWB’s resistance I mentioned above. The other one was a video about the ANC’s resistance where Mrs Mandela called the people to throw stones and Molotov cocktails.

    I wish I shot more pictures of the museum but actually it was not allowed to do so. All photos were made undercover. :D

  3. Wioletta sagt dazu:

    Thanks for the pics. I like it. Greets from Germany

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