Eigentlich wollte ich zu dem Cover nichts weiter schreiben als: Ja, bitte! Das brauchen wir! Unbedingt!
Mehr braucht es eigentlich nicht, weil ich schon öfter auf die schwierige Wahrnehmung Afrikas hingewiesen habe; wir erinnern uns: Afrika ist der K-Kontinent, geprägt von Kriegen, Krisen, Korruption… Alles schon gehört. Kennt man ja.
Aber dann doch noch ein paar Worte. Das eigentlich als Blödelei gedachte Cover stammt von Michael Kirkpatrick, der als Independent Global Citizen schreibt und sich ebenfalls Gedanken über die sehr einseitige Afrikaberichterstattung macht:
Americans would be offended if the world defined America through sensational murders, natural disasters, misguided political leaders, and epidemics. That’s exactly what we do to other parts of the world. (via Africa is not a country)
Recht hat er. Doch was für die Amerikaner gilt, ist für die Deutschen nicht verkehrt. Man denke nur mal an den Aufschrei vor der Fußball-WM 2006, als die afrikanische Gemeinde in Berlin plante, eine Karte mit No-Go-Areas zu veröffentlichen, um Ausländer besser vor Naziübergriffen zu schützen. Unwahr sei das. Stigmatisierend noch dazu. Insbesondere Brandenburg (Wer denkt auch gerade an Reinald Grebe?) hatte damals sein Fett abbekommen, als Uwe-Karsten Heye eindringlich davor warnte, bestimmte Gegenden zu besuchen, wenn man nicht weiß ist.
Und was passierte vor über einem Jahr? Genau dasselbe, nur einen Zacken schärfer. Während im ersten Fall immerhin noch eine Interessengruppe von sich reden machte, die selbst vor Ort agiert, also die Lage recht gut kennen sollte, erdreistete sich jeder dahergelaufene Depp Journalist, vor der großen afrikanischen Gefahr zu warnen. Die Pappnasen haben sich gar nicht mehr eingekriegt, wenn mal wieder was passiert ist.
Da wurde allen Ernstes der Angriff auf eine Fußballmannschaft auf angolanischem Boden mit der südafrikanischen Sicherheitsdebatte verknüpft. Ebenso die Massenpanik bei einem WM-Qualifikationsspiel an der Elfenbeinküste. Äh ja, ebenso könnte man vor einem Besuch in Deutschland warnen, wenn in Großbritannien wieder eine Bombe explodiert, oder die Jugendlichen in den französischen Vororten mal wieder den Aufstand proben. Bescheuert.
Doch was passierte während der WM? Genau. Nichts. Jedenfalls nichts dramatisches. In ihrer Not schrieben Journalisten darüber, wie sie selbst überfallen, ausgeraubt oder bestohlen wurden. Diese verdammten Touristen wollten sich einfach nicht um ihre Habe erleichtern lassen.1
Um nicht ständig in dieselben dämlichen Interpretationsmuster zu verfallen, braucht es Wissen und Verständnis für fremde Kulturen. Das kriegt man natürlich nicht, wenn man in seinem eigenen Saft brät. Verständnis als Journalist könnte man ja schon erlangen, wenn man mal gezwungen würde, sich mit dem Scheiß auseinanderzusetzen, den man so verzapft.2 Einem ordinären Medienkonsumenten würde es vielleicht schon helfen, mal mehr als nur die Pflichtnachrichten zu schauen.
Kirkpatrick hatte seine Sicht der Dinge nach eigenen Angaben übrigens durch einen malawischen Brieffreund erhalten, der ihm schrieb, nachdem er dessen Dienstausweis in einem Hemd fand, das Kirkpatrick der Heilsarmee gespendet hatte. Die Brieffreundschaft hielt immerhin zwei Jahre und Kirkpatricks Interesse an Afrika war geweckt.
Obwohl das Cover nur eine Blödelei war, würde sich Kirkpatrick schon freuen, wenn ein solches Buch mal Realität würde. Vielleicht wäre es ja ein Impuls für Nichtafrikaner, mal umzudenken.
Ein frommer Wunsch.



15. Juni 2011, 23:57 Uhr
Danke schoen.
16. Juni 2011, 00:12 Uhr
You’re welcome.
1. Juli 2011, 19:53 Uhr
Hi Ali, I love your articles and blog; and I asked my husband to give you some feedback on your English as requested. He is reading your blog at the moment and making up his mind
1. Juli 2011, 23:10 Uhr
I have already gotten a feedback from a South African person I know. She wrote that she have made changes. When I openend the file, I was shocked. These damn adverbs and prepositions!
I hope everthing is fine.
2. Juli 2011, 11:51 Uhr
I’m continuously struggling with split infinitives and also the order of words. In English the order is always:
subject – verb – rest of the sentence
… and I agree the adverbs and prepositions can drive one mad!
2. Juli 2011, 12:17 Uhr
That sounds so easy! Another tricky things are commas. A nice quote I read yesterday in a mail reply: WORD!
6. Juli 2011, 21:09 Uhr
[...] Africa for Dummies [...]