24 Apr 2012

Selten dämlich

(Kategorie: Textbeiträge)

Hin und wieder kriege ich Medienanfragen, die sich normalerweise auf Fragen zur Recherche beschränken. Ausnahmslos geht es dabei um Infos, die man selbst rauskriegen kann, wenn man nur will. Ich klicke auf Löschen und gut ist.

Vor einiger Zeit bekam ich aber eine Anfrage, über die ich mich immer noch furchtbar aufregen könnte. Eigentlich wollte ich dreist darauf antworten und ein bisschen Unsinn schreiben, aber irgendwie fehlte mir dann doch die Lust. Stattdessen lasse ich den nackten Inhalt der Anfrage wirken.

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Hallo Ali,

mein Name ist xxx und ich plane mit meiner Redaktion einen TV Beitrag über Autos in Südafrika… naja, es sind doch eher zwei Beiträge. Bei meiner Recherche bin ich auf deinen Blog gestoßen und hoffe, du hast Lust mir zu helfen.

Thema 1: Wenn unsere deutschen Autos in Südafrika ankommen (nach dem Verschiffen), wie geht es dann mit Ihnen weiter? Wie arbeitet der TÜV bei euch? Wohin werden die Autos weiterverkauft?

Kannst du mir da Kontakte vermittel, zu Händlern, die Lust hätten mit uns zusammen zu arbeiten für die Geschichte?

Das selbe Anliegen gilt für Thema 2:

Carjacking ist ein großes Problem in Südafrika. Kennst du eine Werkstatt, die Flammenwerfer, Säurespray und CO einbaut, die Lust hat bei einem tollen Beitrag mitzuwirken?

Ganz liebe Grüße,

xxx
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Also ich tippe ja auf Planetopia.

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Eigentlich wollte ich einen deutschen Beitrag zum Thema verlinken bzw. einbinden, der kurz vor der WM 2010 auf der Webseite der Tagesschau erschienen war. Durfte ich damals aber nicht. Und wie wegen der Depublizierungsscheiße zu befürchten war, gibt’s den auch nicht mehr auf der Webseite.

Ist aber nicht weiter tragisch, weil ich das englische Pendant, das wenigstens schon seit 2007 auf Youtube zu finden ist und beinahe eine 1-zu-1-Vorlage für den Tagesschau-Beitrag war, ohnehin gelungener finde.

Es ist übrigens interessant zu hören, wie sich die PKW-Fahrer über die Taxifahrer beschweren: Die seien unverschämt und würden sich nicht an Verkehrsregeln halten. Nun ja, da nehmen sich ja alle nicht viel.

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25 Mrz 2012
Dokumentation

Afrikaner Blood

(Kategorie: Videobeiträge)

Etwas Widerliches zum Sonntag: Die kurze Dokumentation Afrikaner Blood berichtet über ein Camp in Südafrika, in dem Jugendliche mit dem geistigen Schund der Apartheidsära vollgestopft werden. Allen Teilnehmern gemein: Sie sind Afrikaaner, also Mitglieder der weißen Minderheit.

Obwohl Südafrika mit der Demokratisierung zur Regenbogenation ausgerufen wurde, glauben nicht wenige Menschen auch heute noch, dass sie den anderen qua Geburt überlegen seien. Am besten gibt dies wohl ein Zitat von Franz Jooste, eines ehemaligen Apartheidsmajors und heutigen Campleiters, wieder: Let there be no doubt. Aside from the Aborigines in Australia, the black African is the most underdeveloped barbaric species of the human race on earth.

Interessant ist übrigens die Ambivalenz des Rassisten Jooste: The diversity of South Africa’s nature is unique in this world. Für die südafrikanischen Menschen darf diese Diversität offenbar nicht gelten. In einer Unterrichtsstunde fragt er seine Schüler: Who is my enemy in South Africa? Who are these creatures? Antwort: The blacks.

Afrikaner Blood© Elles van Gelder/Ilvy Njiokiktjien

Schockierend, aber überaus vorhersehbar, sind übrigens die Youtube-Kommentare, die suggerieren, dass alle Gewalt von Schwarzen ausginge und Weiße lediglich unschuldige Opfer seien. Nur ein Beispiel: Take a look, or rather have a READ for a change, at the news, and see how whites are murdered and raped by BLACKS, and blacks are murdered and raped by BLACKS. Whites are much more peaceful than you will EVER be. It’s in your biological make-up to hate, and it’s in ours to be defensive, not offensive, and that is why whites are trained to DEFEND themselves. You know defend, right? Opposite of offend or attack.

Da fühlt man sich als Schwarzer doch gleich willkommen.

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25 Nov 2011

Last Dictator Standing

(Kategorie: Videobeiträge)

Habe ich schon mal erwähnt, dass ich Nando’s für ihre leckeren gegrillten Hähnchen und ihre lustigen Werbespots liebe? Eigentlich ist Nando’s eine Fastfoodkette, die es u.a. in Südafrika und Großbritannien gibt, und daher eher nicht so verdächtig, ein Favorit von mir zu sein. Aber bisher war ich immer sehr begeistert von dem Essen dort.

Im Kopf hängen bleiben natürlich auch die ganzen Werbespots, die sehr kreativ und oft auch sehr witzig sind. Aktuell hat Nando’s einen Spot über Robert Mugabe, den simbabwischen Diktator, gedreht, der allein am Tisch sitzt, weil seine Diktatorenfreunde nicht mehr zum Essen kommen können. Verhindert ist z.B. Muammar Gaddafi.

Übrigens: Ich bin nicht gestorben. Demnächst kommen mal wieder mehr Artikel.

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27 Sep 2011
Buchkritik

Kap der Finsternis

(Kategorie: Textbeiträge)

Roger Smiths Roman ist ein blutiger Thriller, der in die Kapstädter Unterwelt abtaucht und dabei einen Spur von Leichen hinterlässt. Das Buch zeichnet ein düsteres und blutrünstiges Bild von der Touristenstadt. Während die einen Urlaub machen, kämpfen andere ums Überleben.

Roger Smith: Kap der Finsternis
Schmutziger Kriminalroman aus Südafrika: Kap der Finsternis

Viel Gewalt erfährt der Leser in dem Buch über eine amerikanische Familie, die nach Kapstadt geflohen und untergetaucht ist. Warum sie untertauchen musste, wird anfangs nicht enthüllt. Klar ist jedoch, dass Jack Burn, Oberhaupt der Familie und ein Glücksspieler, ein Verbrechen begangen haben muss. Susan, dessen Frau, bemüht sich nach Kräften, ihren Mann zu verachten. Selbst das gemeinsame Kind muss unter dem angespannten Verhältnis leiden, weil der Junge die Mutter zu sehr an den Vater erinnert. Und dann wird sie auch noch mal schwanger.

In dieses angespannte Verhältnis der Hills, wie sich die Burns in Kapstadt nennen, platzen zwei Kriminelle, die eines Abends wegen der Hoffnung auf etwas Bares und Wertsachen in das Haus eindringen, als die Familie zu Abend isst. Der Coup geht schief, die beiden Gangster müssen sterben. Und es passiert, was Burn vermeiden wollte: Er erregt Aufmerksamkeit und muss fürchten, enttarnt zu werden.

Wenngleich schon auf den ersten Seiten Menschen umgebracht werden, dauert es, bis die Geschichte in Fahrt kommt. Geschuldet ist das vor allem der Erzählweise Smiths. Zu oft wird der Erzählfaden unterbrochen. Zu schnell und zu abrupt sind die Schnitte. Kaum hat man als Leser angefangen, den korrupten Bullen Gatsby, der Jagd auf die Hills macht, zu hassen, verlässt Smith den unappetitlichen, stinkenden Fettsack und wendet sich einem anderen Ort und anderen Personen zu.

Dennoch gelingt es Smith im Laufe des Buchs die Spannung zu steigern. Irgendeiner hat immer eine Rechnung zu begleichen. Sei es Gatsby, der mit bürgerlichem Namen Rudi Barnard heißt und mit Vorliebe fettige Gatsbies in sich reinstopft. Ein Relikt aus der Apartheid, höchst gottesfürchtig, aber auch kaltblütiger Mörder, der Richter und Henker in einer Person vereint. Oder Sonderermittler Disaster Zondi, dessen Aufgabe es ist, korrupte Polizisten zu überführen und der in einem früheren Leben ebenfalls auf Barnard traf und deshalb ein ganz besonderes Interesse daran hat, Gatsby zu erledigen. Oder gar Benny Mongrel, ein entstellter Wachmann, der Jagd auf den Bullen macht, weil dieser auf ihn schießt, mehr noch, dessen ohnehin schon lädierten Köder abknallt. Zu regeln gibt es viel.

Smith schildert auf beklemmende Weise, wie sich Hass in pure Gewalt entlädt, wie hemmungslos Täter vorgehen, um Zeugen zum Schweigen zu bringen, oder um Rache zu nehmen. Hier wird ein Profil von Tätern entwickelt, denen ein moralischer Kompass für ihre Taten fehlt. Quasi wegen nichts werden Menschen umgebracht. Der Roman ist ein Abbild des heutigen brutalen Südafrikas, das sonst nur in Statistiken und urbanen Legenden zum Vorschein tritt. Gerade Kapstadt als Handlungsort verführt dei Menschen eher zu Gedanken an Urlaub, Weinreisen und Strandbesuche. Die Gewalt, wie sie die Menschen gerade in den Cape Flats, einem gefährlichen Vorort Kapstadts, erleben, wird sonst nicht so deutlich. Hier jedoch tritt sie mit voller Wucht zutage.

Den größten Kritikpunkt, den ich bei Kap der Finsternis sehe, ist die Bezeichnung der Coloureds als Mischlinge. Ein Begriff, der aufgrund seiner negativen Bedeutung eigentlich obsolet sein sollte, es aber offenbar nicht ist. Selbst das Interview mit Smith am Ende des Buchs kommt ohne den Begriff nicht aus. Ich hoffe, dass in der geplanten Verfilmung (mit Samuel L. Jackson als Sonderermittler Zondi) auf derlei Vokabular verzichtet wird.

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