30 Mar 2014

Neuer Blog

(Kategorie: Textbeiträge)

Hier war es ja längere Zeit ruhig. Das lag nicht nur daran, dass ich viel zu tun hatte, sondern auch, dass ich mich derzeit eher weniger mit Themen rund um (Süd)afrika beschäftige. In letzter Zeit hatte ich den Blog eher zweckentfremdet, weil es dann und wann Vorkommnisse gab, zu denen ich mich äußern wollte.

Weil aber immer wieder Leser geschimpft haben, dass ich doch endlich einen neuen Blog erstellen sollte, habe ich mir ein paar Gedanken gemacht, wie ich das hier alles entflechten kann. So, da wär ma jetzt. Der Ali hat einen neuen Blog. Sein Name ist Trollbar und er ist schon 32 Beiträge groß.

Er ist moderner (der kann sogar mobil) und heller als dieser hier. Wenn ihr Beiträge des neuen Blogs jetzt auf Facebook und Twitter teilt, dann sind Zusammenfassungen und Bilder immer schon vorgegeben. Jetzt könnt ihr also klicken, ohne zu denken. *kicher* Falls ihr mir hauptsächlich wg. Themen rund um Rassismus und Medien folgt, dann bitte hier entlang. Mein Blog kann auch wieder abonniert werden, außerdem gibt es die Möglichkeit, mich dort zu flattern.

Rassismus und andere Themen, die nicht primär etwas mit (Süd)afrika zu tun haben, habe ich in den neuen Blog rübergezogen. Einige wenige Südarfrika-Artikel sind aber auch dort zu finden, weil ich nicht wollte, dass sie sich hier verlieren. Wundert euch also bitte nicht, wenn euch was bekannt vorkommt.

Alis Afrika-Blog werde ich vorläufig nicht einmotten, weil ich erstens hoffe, bald wieder einen Job in Südafrika o.Ä. zu finden und weil ich zweitens dann und wann doch noch Beiträge habe, die thematisch hierher passen.

Ich freue mich auf rege Beteiligung.

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15 Dec 2013
Blackfacing

Aber IHR macht Jim Knopf zum Opfer!

(Kategorie: Textbeiträge)

[Triggerwarnung: Reproduktion rassistisch konnotierter Begriffe unter 2.]

Ich bin ja viel weniger streng, wenn Weiße sich schwarz anmalen. Bei aller berechtigten Kritik verzeihe ich Günter Wallraff dessen Figur des Asylsuchenden Kwami Ogonno. Auch viele Gags des südafrikanischen Comedians Leon Schuster bauen darauf, dass er in die Rolle einer schwarzen Person schlüpft. Alles Verkleidung. Für mich persönlich okay.

Kommen wir zum Aber. Das ZDF, bekannt für ausgeprägte Sensibilität für Rassismus und geliebt für ein hohes Maß an Diversity-Verständnis, fand es witzig, in der letzten «Wetten, dass …?»-Show zum Blackfacing aufzurufen. Anlass war die Ausstrahlung der Sendung in Augsburg, wo sich auch die Augsburger Puppenkiste befindet. Laut Stadtwette sollten sich mindestens 25 Paare finden, die als Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer, bei «Wetten, dass …?» erscheinen sollten. Am Ende erschienen deutlich mehr als gefordert, auch der Bürgermeister der Stadt Augsburg und dessen Freundin machten mit. Die Aktion war «geglückt».

Dumm nur, dass sich das ZDF wieder einmal nicht entblödete, auf allerübelste Weise Rassismus zu reproduzieren. Kritik wurde wegen folgender Passage laut: «Jim sollte natürlich schwarz geschminkt sein. Schuhcreme, Kohle, was auch immer. Und Lukas trägt einen Blaumann, eine Prinz-Heinrich-Mütze und ein Halstuch.»

Nachdem viele Menschen nicht nur auf Twitter rege Kritik geäußert hatten, folgten Abwehrmechanismen, die typisch für Rassismus-Diskussionen sind. So versuchte man sich u.a. in der Opfer-Täter-Umkehr, indem behauptete wurde, die Kritiker seien doch die wahren Rassisten, weil sie den unschuldigen Helden Jim Knopf überhaupt erst mit Rassismus in Verbindung brächten.

Hier drei Punkte, warum die Kritik, die beim durch Zwangsgebühren finanzierten ZDF wie gewohnt abperlen wird, mehr als gerechtfertigt ist:

1. Jim Knopf wird auf seine Hautfarbe reduziert

Wenn man sich die Bedingungen durchliest, dann fällt als erstes auf, dass Jim Knopf gleich zu Beginn über seine Hautfarbe markiert wird, und zwar ausschließlich. Damit Jim Jim sein kann, muss er geschminkt sein. Damit Lukas Lukas sein darf, reicht es vollkommen aus, wenn er entsprechende Kleidung anzieht. Einmal mehr wird deutlich, dass weiße Haut in Deutschland als Normalzustand angesehen und dadurch unsichtbar wird. Wäre dem nicht so, hätte es auch bei Jim gereicht, eine blaue Hose, ein rotes Oberteil und eine Mütze zu verlagen; Requisiten übrigens, die die meisten Menschen mitgebracht haben, obwohl davon überhaupt nicht die Rede war.

2. Schwarz ist, wer dreckig ist

Wer sich Bilder zu Blackface anschaut, wird feststellen, dass die geschwärzten Menschen häufig skurril überzeichnet, ja eher dreckig denn geschminkt wirken. Es kommt weniger darauf an, eine schwarze Person nachzuempfinden, als sie eindeutig als nicht weiß zu markieren, egal wie schlecht die Verwandlung ist. Wie ganz selbstverständlich verbindet auch das ZDF schwarze Haut mit Dreck. Wurscht, was ihr euch in die Fresse schmiert, Schuhcreme, Kohle, egal was. Hauptsache, ihr seid danach nicht mehr weiß.

Die Verantwortlichen beim ZDF führen sich nicht vor Augen, was Menschen erdulden müssen, die aufgrund ihrer schwarzen Hautfarbe (definiert als das Gegenteil von weiß und sauber) von klein auf verhönt werden. Menschen, die in Deutschland aufwachsen, werden durchweg mit Begriffen wie «Brikett» und «Holzkohle», Fragen wie «Wie bist du aus’m Keller rausgekommen?» und Vorwürfen wie «Der/die ist total dreckig» konfrontiert. Genau solche Erinnerungen sind es, die durch Aktionen wie die Stadtwette getriggert werden können. Den weißen Verantwortlichen kann das egal sein, weil sie sich in der sehr bequemen Position befinden, sich nicht mit Kritik auseinandersetzen müssen.

3. Der Aufruf richtet sich ausschließlich an weiße Menschen

Am Aufruf finde ich am schlimmsten, dass in Augsburg lebende schwarze Menschen von vornherein nicht angesprochen wurden. Sicher keine Absicht, rassistisch bleibt die Denkweise dennoch. Vorausetzung war ja, dass Jim «natürlich geschminkt» ist. Bei einer schwarzen Person, die eine schwarze Person darstellt, wäre das überhaupt nicht erforderlich. Es geht also von Beginn an nur um Weiße. Schwarze werden damit in zweierlei Hinsicht unsichtbar gemacht: einmal durch die Wettbedingungen und einmal durch die Praxis des Anschwärzen selbst. Spätestens bei diesem Punkt sind wir in der zutiefst rassistischen Tradition des Blackfacings angekommen.

* * *

Weitere Links:

ISD e.V.: Offener Brief an die «Wetten, dass …?»-Redaktion
Simone Dede Ayivi: Keine Frage der Haut
Bühnenwatch: Blackface in Germany. Eine kurze Geschichte der Ignoranz
Anatol Stefanowitsch: Blackface bei «Wetten dass …?»
Erbloggtes: Wetten, dass Blackface in Augsburg gut ankommt?
Johanna Emge: Wetten, dass Blackfacing rassistisch ist?

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Schöne Idee der Supermarktkette Woolworth: Mitglieder des Soweto Gospel Choir, die vorgeben Bedienstete einer Filiale zu sein, stimmen aus heiterem Himmel das bekannte Lied Asimbonanga an.

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Wahre und berührende Worte der us-amerikanischen Schriftstellerin Maya Angelou zum Tode von Nelson Mandela.

His day is done©: Maya Angelou

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7 Dec 2013

Hamba Kahle, Mandela

(Kategorie: Textbeiträge)

Mit dem Tode von Nelson Mandela verliert Südafrika einen Nationalhelden und eine wichtige Figur in der Befriedung eines einst zutiefst gespaltenen Landes. Obwohl er 27 Jahre lange in Gefangenschaft gelebt hatte, reichte er nach seiner Entlassung auch den früheren Gegnern die Hand.

Im Film Invictus gibt es eine Szene, die, wie ich finde, schön darstellt, was für ein Mensch Mandela war. Nicht von Rache oder Diskriminierung war seine Politik geprägt, sondern von einem gemeinsamen Neuanfang. Ich weiß nicht, ob diese Szene künstlerischer Freiheit unterworfen war oder sich tatsächlich so abgespielt hat. Zugetraut hätte ich es dem Mann auf jeden Fall.

Ausschnitt aus Invictus©: Warner Bros.

Mandela war kein Mann, der wie so viele Hoffnungsträger auf dem afrikanischen Kontinent zu einem Despoten heranreifte, sich stur weigernd, das Zepter aus der Hand zu geben. Nach nur einer Amtsperiode zog er sich aus der aktiven Politik zurück und widmete sich fortan u.a. der Stiftungsarbeit.

Seine Nachfolger mussten in große Fußstapfen treten und konnten doch nie zu Symbolfiguren heranwachsen. Thabo Mbeki, der 1999 direkt in das Amt des Präsidenten folgte, wird auf ewig der Mann sein, der Aids-Leugnern ernsthaft Gehör schenkte und so den Kampf gegen die Immunschwächekrankheit schwer behinderte. Der aktuelle Präsident Jacob Zuma, der wegen des Verdachts auf Vergewaltigung einer HIV-positiven Frau vor Gericht stand und dort ein rückschrittliches, sexistisches und unverantwortliches Bild von sich zeichnete, steht fortwährend wegen Korruptionsvorwürfen im Kreuzfeuer der Öffentlichkeit. So schwelt seit etwa einem Jahr ein Konflikt um seine private Residenz in Nkandla. Maximal 100.000 Euro aus Steuergeldern hätten dort in die Erhöhung der Sicherheit investiert werden dürfen. Aktuell weiß man nicht, wie viel Geld tatsächlich verschwendet wurde, oder was noch ans Tageslicht kommen könnte, denn der Bericht dazu wurde als geheim eingestuft. Während die Schätzungen derzeit zwischen 20 und 30 Mio Euro liegen, haben andere Südafrikaner noch nicht einmal richtige Toiletten.

Die Politiker sind damit sehr schlechte Vobilder für ein Land, das weltweit die meisten HIV-Positiven vorweist und von hoher Arbeitslosigkeit, Korruption und Armut geprägt ist. Zumal vom Nachwuchs auch nicht viel zu erwarten ist: Der mittlerweile geschasste ANCYL-Präsident, Julius Malema, forderte dereinst: «Treat me like Mandela». Ein Mann wohlgemerkt, der Journalisten anschreit und beleidigt, wenn diese kritische Fragen stellen. Was die Menschen von dieser absurden Forderung hielten, folgte prompt: «Okay, let’s start with 27 years in jail», befand nicht nur Pieter-Dirk Uys in seiner Rolle als Evita Bezuidenhout.

«Nelson Mandela becomes first politician to be missed», schreibt The Onion im Nachruf auf den ehemaligen Präsidenten und findet damit würdigere Worte als die Titanic. Mandela, der für seinen Humor bekannt war und verstand, wie wichtig Satire für eine Gesellschaft ist, hätte der Nachruf sicher gefallen.

Einmal aber war Madiba erbost und griff zum Telefonhörer. Am anderen Ende der Leitung: der südafrikanische Karikaturist Zapiro, von dem er bei seinem Schaffen zeichnerisch begleitet wurde. Von ihm wollte Madiba wissen, warum dessen Cartoons nicht mehr in der von ihm bevorzugten Zeitung erschienen.

Hamba Kahle, Tata.
Adieu, Vater einer Nation.

* * *

Weitere Links:

Mail & Guardian: Themenseite Nelson Mandela. A tribute to an Icon
Mail & Guardian: Mandela’s death. Mourners gather in Houghton
Union Solidarity International: Hamba Kahle, Umkhonto
Stephen Francis & Rico: Madam & Eve mourning
Zapiro: Farewell to an Icon
Pierre de Vos: Nelson Mandela was not a saint
Simon Hooper: Mandela the radical

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